Der Kommentar: Aus den Medien wissen wir: Im aargauischen Bettwil tanzen die Menschen vor Freude in den Strassen – weil sie sich erfolgreich dagegen gewehrt haben, dass bis zu 140 Asylbewerber in ihrem Dorf einquartiert werden. Im Tessiner Ort Chiasso leben die Einwohner in Angst und Schrecken – weil sie von gewalttätigen Asylbewerbern tyrannisiert werden. Gleichzeitig setzen Bund, Kantone und Gemeinden unschuldige Schweizer auf die Strasse, um die Wohnungen an Flüchtlinge zu vergeben. Die Debatte um das Asylwesen wird derzeit beherrscht von Übertreibung und dem Bösen. Es gibt böse Politiker, böse Asylbewerber, böse Schweizer. Und sonst nichts.

Dabei geht vergessen: Die Realität sieht anders aus. Es gibt Schweizer, die in privaten Initiativen Asylbewerbern helfen. Zum Beispiel in Basel. Es gibt Flüchtlinge, die in Wohnquartieren leben, ohne aufzufallen. Zum Beispiel in Zürich. Und es gibt Politiker, die ihren Job machen und Unterkünfte für Asylbewerber finden müssen. Zum Beispiel in Bettwil. Das weit verbreitete Schwarz-Weiss-Denken in Sachen Asyl verschärft das Problem ebenso wie die ständigen Schuldzuweisungen. Denn die Flüchtlinge, die in der Schweiz sind, müssen untergebracht werden. Daran ist nicht zu rütteln. Gefragt sind Gelassenheit und Pragmatismus – auf allen Seiten.

Politiker, Behörden, Medien und Anwohner sollten aufhören, sich mit Vorwürfen und Vorurteilen zu übertrumpfen. Sie dienen nicht der Sache, sondern nur der eigenen Profilierung. Gehört werden dürfen deshalb nicht nur die, die am lautesten schreien – sondern die, die wirklich etwas zu sagen haben. Denn sie stehen für die schweigende Mehrheit. Die gut ist, und nicht böse.