50 Jahre nach Kriegsausbruch feierte die Schweiz den Kriegsbeginn mit einer «ab Landesgrenze flächendeckenden, alle Kantone und Halbkantone umfassenden» Erinnerungsfeier, wie die «WOZ» 1989 schrieb. Die «Diamantfeier» war im Jahr der GSoA-Initiative auch ein millionenschwerer Werbefeldzug für die Armee.

Jetzt, zum 75. Gedenktag der Generalmobilmachung, ist es still geworden um Aktivgeneration. Die letzten Überlebenden feiern ein bescheidenes Fest auf einem Waffenplatz. Armeeminister Ueli Maurer wird eine Rede halten. Der Event ist privat, die Armee zahlt keinen Franken. Es macht fast den Anschein, als hätte das Militärdepartement die Aktivdienstgeneration vergessen.

Die Feier widerspiegelt den Bedeutungsverlust der Schweizer Armee in der Gesellschaft. Früher war ein hoher militärischer Rang das Eintrittsticket in die Teppichetagen der Schweizer Grosskonzerne. Heute gilt das zeitraubende Engagement fürs Vaterland als Karrierekiller. Vor 25 Jahren betrug die Truppenstärke noch 600 000 Mann, heute sind es knapp 150 000.

Die Ablehnung des Kampfjets Gripen markiert einen Tiefpunkt in der Geschichte des einst mächtigsten Vereins der Schweiz. Seit den Diamantfeiern ist die Schweiz offener, bunter und stärker geworden. Der Bedeutungsverlust der Armee ist ein eindrücklicher Beleg für den rasanten Wandel in der Schweiz.

Der permanente Wandel steht im starken Kontrast zu den Ängsten vor einer sogenannten «konservativen Revolution», welche SVP-Kreise in unserem Land anzetteln wollen. Am Niedergang der Armee lässt sich erkennen: Diese Konterrevolution ist bis jetzt nicht viel mehr als ein abgehobenes Papierprojekt. Die gesellschaftlichen Kräfte sind viel zu stark, als dass eine Partei oder ein einzelner Politiker in der Lage wäre, das Rad zurückzudrehen.

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