Sie sehen, wie irreführend Statistiken erscheinen können. Arm ist bei uns, wer weniger als 2200 Franken im Monat erhält. Im europäischen Vergleich wird die «Quote der erheblichen materiellen Entbehrungen» verwendet, und da stehen wir dann doch wieder gut
da mit einer Quote von 1 Prozent im Vergleich zur EU mit 8,8 Prozent. Die Schlussfolgerung: Wir haben reiche Arme.

Uns ist aber auch klar, dass man mit 2200 Franken im Monat keine grossen Sprünge machen kann. In Deutschland zum Beispiel käme dieser Betrag nahe an den Durchschnittsverdienst heran und man würde wohl auf Unverständnis stossen, wenn man dort erzählen wollte, dass dieser bei uns der Armutsgrenze entspricht. Ausschlaggebend für diesen sehr hohen Wert sind die zum Teil exorbitanten Preise.

Aber es scheint ein Tabu zu sein, über unser Preisniveau zu sprechen. Wir sind bereit, für das gleiche Produkt fast doppelt so viel zu bezahlen wie in Deutschland. Es wird uns vorgegaukelt, dass es ein für die Schweiz hergestelltes Produkt ist, besser und deshalb teurer. Wir haben uns daran gewöhnt, für alles mehr zu bezahlen.

Die Einzigen, die nicht auf diese Gaukelei hereinfallen, sind unsere Grenzbewohner, die schon immer gewusst haben, dass es sich um die gleiche Ware handelt und jedes Jahr für Milliarden im grenznahen Ausland einkaufen. Die Armut könnte schnell gelindert werden, wenn wir uns einmal ernsthaft mit unserem exzessiven Preisniveau auseinandersetzen würden.

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