1300 Führungskräfte aus der Wirtschaft hörten zu, und das Schweizer Fernsehen übertrug live, als Patrick De Maeseneire sein Credo verbreitete. Das Credo des CEO des weltgrössten Stellenvermittlers Adecco, diese Woche am Swiss Economic Forum geäussert, lautet in drei Worten: Arbeiten, arbeiten, arbeiten. Die Familie? Die kommt auch ohne mich zurecht.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Top-Manager damit prahlt, wie viel er arbeitet. Wie wenig er zu Hause ist. Und dass er bloss ein paar Stunden schläft. Aber was will uns Patrick De Maeseneire genau sagen? Dass man sich ihn zum Vorbild nehmen soll? Dass eine gute Arbeitskraft den Job immer über die Familie stellt?

Eine bizarre Botschaft des Chefs über 850 000 Mitarbeiter, der davon lebt, Jobs zu vermitteln. Glaubt Herr De Maeseneire denn, sein Unternehmen breche zusammen, wenn er mal schon um 18 Uhr nach Hause geht? Wäre dem so, müsste man seine Adecco-Aktien sofort verkaufen.

Aus seinen Worten spricht eine Selbstüberschätzung, die vielen Top-Managern eigen ist. Diese rührt womöglich daher, dass sie sehr viel Geld verdienen. Das müssen sie abarbeiten, glauben sie. Bei Bankern war diese Haltung besonders verbreitet. Sie arbeiteten, arbeiteten, arbeiteten – bis das Finanzsystem kollabierte. Einige erlebten dann auch einen persönlichen Kollaps.

Mal abgesehen davon, dass sich die Familien freuen würden: Die eine oder andere Firma stünde wohl besser da, wenn die Chefs nicht rund um die Uhr über Powerpoint-Folien brüten, in Konferenzräumen und Business-Class-Abteilen sitzen würden (wenn sies wirklich tun, manches ist Legendenbildung). Frische Luft und die Kinder zu Hause helfen gegen Realitätsverlust. Und machen den Kopf frei für neue Ideen. Vielleicht sollten die Workaholics vor dem nächsten Power Nap ein paar Minuten darüber nachdenken.

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