Der Kommentar: Des Kalauers wird man sich erst bewusst, wenn er schon geschrieben ist. In der Tat hätte der Anfang in die neue Ski-Saison kaum besser ausfallen können. Der Wert der nicht immer bequemen Lara Gut wird einem immer dann bewusst, wenn Swiss-Ski kriselt. Auf sie ist (meist) Verlass. Es sei in Erinnerung gerufen: Sämtliche WM-Medaillen des Schweizer Frauen-Teams in den letzten zehn Jahren gehen auf das Konto der Tessinerin.

Aber in diesem Winter geht es vor allem um die Schweizer Männer-Mannschaft. Die Erwartungen sind so tief wie noch nie. Noch ein halbes Dutzend Fahrer befinden sich in den Top 30. Früher tummelten sich über ein Dutzend in den Top 15. Man ist um jeden Lichtblick froh. In der Startliste des Weltcup-Riesenslaloms von heute Sonntag startet gerade einer, Didier Défago, unter den ersten 30. Im Umkehrschluss heisst das: Wenn im Schlussklassement einer unter den ersten 30 auftaucht, entspricht das bereits dem momentanen Standard. Aber gibt sich der von früher verwöhnte Ski-Fan mit solchen Resultaten zufrieden?

Im letzten Jahr wurde der nationale Notstand ausgerufen, als im Riesenslalom von Alta Badia – erstmals in der Weltcup-Geschichte – kein einziger Schweizer im Klassement erschien. Das könnte auch heute passieren. Aber die Leistungen der gegenwärtigen Skirennfahrer sollten nicht so plakativ und pauschal beurteilt werden. 2013/14 wird eine Saison der kleinen Schritte sein. Geduld ist eine ultimative Forderung. Sonst geht noch mehr kaputt. Freuen wir uns heute an Lara Gut. Oder Dominique Gisin. Dann können wir uns morgen oder vielmehr übermorgen auch mal an Gino Caviezel freuen. Oder an Manuel Pleisch. Oder an Justine Murisier. Aber nur dann.

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