Bisher kannte die MEM-Branche keine Nachwuchssorgen. Um Engpässe zu beseitigen, konnte sie einfach junge und gut ausgebildete Fachkräfte aus dem Ausland in die Schweiz holen. Allerdings droht dieser Zustrom von billigen Arbeitskräften nun zu versiegen. Wegen der Masseneinwanderungsinitiative wird es mittel- bis langfristig immer schwieriger, auf Ausländer zu setzen.

Nur logisch, dass der Fokus der MEM-Branche wieder ins Inland rückt. Die Rezepte gegen leere Werkbänke sind schnell gefunden: Mehr Lehrlinge sollen in technische Berufe einsteigen; Insbesondere sollen sich auch Mädchen für Berufsbilder wie Informatik begeistern. Nur, Schulabgänger kann niemand zwingen, eine technische Berufslehre zu ergreifen.

Die Attraktivität der Basisberufsausbildung in einem MEM-Betrieb hat in den letzten Jahren gelitten. Dass die Jungen nicht generell von einer Technikverdrossenheit erfasst sind, beweisen die Eidgenössischen Technischen Hochschulen, die ihren Nachwuchs bei den Naturwissenschaften und in Ingenieur-Disziplinen ausbauen konnten.

Die MEM-Branche ist somit selbst schuld am Malaise. Ihr gelingt es offensichtlich nicht, Schulabgängern verheissungsvolle Berufsperspektiven aufzuzeigen. Welcher 15-Jährige hat schon Lust, in die Fussstapfen seines Vaters zu treten, dessen Arbeitsplatz nach Tschechien oder Indien verlagert wurde? Ebenso wenig hilft es, wenn die MEM-Branche älteren Mitarbeitern ab 50 Jahren eine Lohnkürzung in Aussicht stellt – ausgerechnet dann, wenn das Familienleben am teuersten ist.

Solche Signale sind verheerend für junge Berufseinsteiger. Wenn es die MEM-Branche wirklich ernst meint mit ihrer Nachwuchsförderung, dann müsste sie dringend am eigenen Image feilen und den jungen Berufseinsteigern spannende Karrierechancen und attraktive Verdienstmöglichkeiten bieten.

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