Die Nachricht: Vor einer Woche sind zur Saisoneröffnung am ersten Aarauer Renntag bei mehreren Stürzen drei Pferde verletzt worden, wovon eines so schwer, dass es eingeschläfert werden musste.

Der Kommentar: Wer Bilder vom Kentucky Derby oder Royal Ascot gesehen hat, kann erahnen, dass das Leben vieler Rennpferde vorzeitig endet. Im pferdeverrückten Grossbritannien sind es jährlich 1000 Tiere. Wie es dazu kommen kann, erlebten die Zuschauer in Aarau mit. Doch das ist die Realität der Rennpferde-Industrie, wo Unsummen für die besten jungen Exemplare und deren Training hingeblättert werden, damit die Tiere möglichst früh Preisgelder ergaloppieren und Wetteinnahmen generieren. Welchen Preis das Tier dafür bezahlt, interessiert niemanden.

In der Aufzucht missachten Trainer auf Druck des Besitzers oft die physiologischen und psychischen Gesetzmässigkeiten einer guten Entwicklung. Da werden Jungpferde viel zu früh angeritten und intensiv trainiert. Die übermässige Beanspruchung von Sehnen und Gelenken führt zu bleibenden Schäden. Grosser Stress, ausgelöst durch Schmerzen oder Rennbetrieb, führt zu Magengeschwüren. Diese Pferde werden oft keine zehn Jahre alt.

Das ist kein Plädoyer gegen den Reitsport, aber für eine ethisch vertretbare Ausübung. Im Gesetz sind die Würde des Tieres und der Umgang mit ihm verankert. Pferde sind hochsensible Fluchttiere, die in der Natur in der Herde und nicht in Boxen leben. Aufzucht und Anreiten setzt Feingefühl, Geduld und Vertrauen voraus. Vor sechs Jahren gehören sie nicht in den Rennsport. Pferde – und Hunde – brauchen Schutz vor dem Geltungsdrang der Menschen. Im Gegensatz zum Humansportler haben sie keine Wahl, wenn sie zu Sportgeräten reduziert werden.

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