23 Prozent wissen laut der jüngsten GfS- Bern-Umfrage nicht, was sie stimmen sollen. Das liegt nicht nur an der Verpackung, ist aber einer der Gründe für den drohenden Absturz. Für eine Volksinitiative mit einem solch abstrakten Titel hätte man kaum die nötigen 100 000 Unterschriften zusammengebracht.

Wer beim Volk punkten will, muss anschreiben, was in der Packung drin ist. Erfolgreiche Begehren heissen «Schluss mit uferlosem Bau von Zweitwohnungen!» oder «Lebenslange Verwahrung für nicht therapierbare, extrem gefährliche Sexual- und Gewaltstraftäter». Der Begriff Managed Care löst mehr ein Schulterzucken und sicher keine Emotionen aus. «Wer Managed Care zum Durchbruch verhelfen will, der muss bis zu einer politischen Entscheidung einen Begriff und eine Sache popularisieren»: Das schrieb GfS-Forscher Claude Longchamp schon vor bald zwei Jahren in seinem Blog. Die Frage, ob Begriff und Sache unterdessen populär geworden sind, lässt sich klar mit Nein beantworten.

Dabei zeigt das Sorgenbarometer, wie sehr das Gesundheitswesen der Bevölkerung auf dem Magen liegt. Es ist regelmässig ein Top-3-Thema. Das erstaunt nicht: Wir alle sind Prämienzahler. Und wie berechtigt die Sorgen sind, zeigt die Zunahme der Kosten bei der obligatorischen Grundversicherung. Es geht um eine Milliarde Franken – Jahr für Jahr! Eine Gesundheitsreform ist dringend nötig. Ein Schritt zu weniger Kosten kann der nun angepeilte Ausbau von 17 auf 60 Prozent Krankenversicherte in Ärzte-Netzwerken sein. Dabei soll die Betreuung der Patienten «sicherer, besser und günstiger» werden. So verspricht es die bröckelnde Allianz, die für ein Ja zur Revision des Krankenversicherungsgesetzes wirbt. Die Gegenseite spricht von «Billig-Medizin», «schlechter Qualität» und dem «Ende der freien Arztwahl».

Es tobt eine Schlacht der Schlagworte, die den Blick auf das eigentliche Problem versperrt: Über die Kosten zu jammern und sich gegen jede Reform zu sperren, ist scheinheilig. Auch Gesundheitsminister Alain Berset ist erst als Bundesrat zum Befürworter geworden. «Das Ziel der Vorlage ist eigentlich einfach», sagt er im Interview ab Seite 11. Leider ist der Weg dorthin sehr komplex. Der Inhalt wird dann verständlich, wenn Alain Berset klare Beispiele bringt: «In einem Netzwerk werden nicht zwei Ärzte Medikamente verschreiben, die nicht zusammenpassen. Oder zweimal die gleiche radiologische Untersuchung machen und den Patienten doppelt der Strahlung aussetzen.»

Der Intrigantenstadl in der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) stärkt das Vertrauen in Managed Care jedoch nicht sonderlich. Zudem wehren sich die Spezialärzte mit allen Mitteln gegen einen kleineren Kuchen. Der Grund dafür ist klar und wurde von SVP-Nationalrat Jürg Stahl in der az unverblümt ausgesprochen: «Es geht um viel Kohle». Aber es geht bestimmt nicht um ein Ende der freien Arztwahl. In einem Netzwerk sind im Durchschnitt immerhin 63 Hausärzte und 9 Spezialisten. Und: Der Beitritt zu einem Netzwerk ist und bleibt freiwillig.

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