Antwort von Oswald Grübel: Die grossen Verlierer sind die Politik und die Banken. Beide haben die Lage falsch eingeschätzt. Auch ich hatte geglaubt, das Abkommen würde zustande kommen, aber mehr der Verlockung des Geldes wegen als aus Vernunft. Aber gerade wir sollten wissen, dass demokratische Entscheidungen fast unberechenbar sind.

Ist das nun ein grosser Schaden für die Schweiz und ihre Banken? Nein. Aber wir müssen jetzt so schnell wie möglich zurück zur Realität finden. Das heisst, wir müssen uns mit Luxemburg und Österreich an einen Tisch setzen, mit dem Ziel, einen für alle akzeptablen automatischen Informationsaustausch mit der EU zu verhandeln.

Wir brauchen die zwei EU-Mitglieder, weil sie dieselben Anliegen und Probleme in dieser Sache haben wie wir, und weil sie in der EU etwas zu sagen haben. Ich nehme an, dann müsste auch das Bankgeheimnis angepasst werden, aber wir haben ja auch schon in der Vergangenheit Amtshilfe geleistet, ganz zu schweigen von der Amerika-Affäre.

Der Glaube, wir könnten eine «Weissgeldstrategie» einführen, die übrigens kein anderes Land in der Welt hat, ohne uns mit der EU geeinigt zu haben, ist absurd. Mit den separaten Steuerabkommen nicht versteuerte Gelder betreffend haben wir uns in eine Sackgasse manövriert, aus der wir so schnell wie möglich wieder heraus müssen.

Die Banken müssen ihre Kontrollen und Sicherheit substanziell verbessern, um den CD-Handel einzuschränken. Der Finanzplatz wird kleiner werden, aber man sollte immer wissen, wenn man seine Verluste nehmen muss, um noch grösseren Schaden zu vermeiden.

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