Der Kommentar: Früher habe er drei Stellenanzeigen geschaltet, bis er einen Mitarbeiter gefunden habe, erzählte mir ein Unternehmer. Seit 2007 die volle Freizügigkeit mit den alten EU-Ländern gelte, brauche er keine Inserate mehr: Es genüge ein Blick in die europäische Arbeitsvermittlungs-Datenbank, und der passende Angestellte sei gefunden.

Viele Arbeitgeber haben sich in den letzten Jahren zu wenig Mühe gegeben, im Inland zu suchen, seit sie bequem auf dem europaweiten Arbeitsmarkt rekrutieren können. Die von der Wirtschaft bekämpfte Masseneinwanderungsinitiative führt nun zu einem Umdenken. Denn wie immer sie umgesetzt wird, eines ist klar: Dass jedes Jahr 80 000 Zuwanderer kommen, wird nicht mehr akzeptiert werden.

Mit dem Industrieverband Swissmem bekennt nun ein grosser Wirtschaftsverband Farbe und kündigt an, das inländische Arbeitskräftepotenzial besser nutzen zu wollen. Das ist zu begrüssen und stösst wohl so lange auf ungeteilte Zustimmung, als es um die Mobilisierung von Jungen und Frauen geht.

Doch die Wirtschaft hat auch die älteren Arbeitnehmer im Auge, und Swissmem-Präsident Hans Hess sagt: «Das Thema Frühpensionierungen ist vorbei.» Auch das ist angesichts der steigenden Lebenserwartung richtig. Nur: Es ist nicht immer so, dass die Arbeitnehmer von sich aus früher aufhören wollen. Viele würden durchaus bis 65 oder darüber hinaus weiterarbeiten – wenn sie gefragt wären. Doch Ältere haben oft Mühe, einen Job zu finden. Die Wirtschaft muss darum erst einmal den Tatbeweis erbringen, dass sie älteren Arbeitskräften tatsächlich eine Chance gibt.

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