Der Kommentar: Drei Jahre nach der Revolution ist Ägypten tief gespalten. Bei den «Feiern» zum Jahrestag waren drei Gruppen an getrennten Orten auf den Strassen und Plätzen. Jene, die die neue Führung unterstützen, waren die grosse Mehrheit. Die jungen Mitglieder der Revolutionsgruppen kämpfen immer noch für die Ideale der Revolution -- Brot, Freiheit und soziale Gerechtigkeit. Sie sind auf eine kleine Gruppe zusammengeschrumpft. Und schliesslich sind auch die Anhänger der Muslimbrüder keine grosse Masse mehr. Sobald sie sich auf den Strassen zeigen, um gegen den Putsch zu demonstrieren, werden sie von der Polizei brutal vertrieben.

Die grosse Bühne gehörte jenen, die die Revolutionsfeiern in ein Sisi-Festival, mit Bildern des Generals auf Plakaten, Ansteckknöpfen und T-Shirts, umgestalteten. Nur sie können ihre Meinung frei äussern. Ihr Erscheinen war ein Aufruf an Armeechef Abdel Fattah al-Sisi, als künftiger Präsident zu kandidieren. Von ihm erwarten sie, dass er nach drei chaotischen Jahren Stabilität bringt und die zunehmende Gewalt eindämmt, wie sie sich mit der jüngsten Bombenserie in Kairo manifestierte.

Drei Jahre nach der Revolution verlangt die Mehrheit der Ägypter nach einer starken Hand und einer dominierenden Rolle der Armee. Freiheit und Menschenrechte sind zweitrangig geworden. Repression wird in Kauf genommen. Die Ägypter haben es zwar geschafft, mit Massendemonstrationen erst Mubarak und dann Mursi zu stürzen, sie sind aber nicht in der Lage, ein ziviles, demokratisches System aufzubauen. Ägypten steht heute im Niemandsland. Ein klarer Kurs ist nicht zu erkennen.

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