Antwort von Oswald Grübel:
Die Zeichen stehen nicht schlecht dafür. Die Medien bejubeln es, die Finanzministerin begrüsst es, die Aktien steigen überdurchschnittlich und die Schadenfreude feiert Hochkonjunktur. Endlich werden die so verhassten Investmentbanker zur Ader gelassen.

Die Sache nahm ihren Anfang 2010, als die Basel-3-Kapitalregeln bekannt wurden und die «Too big to fail»-Gesetzgebung Form annahm. Sagte man damals, dies werde mit einem grossen Personalabbau verbunden sein, wurde man von den vereinten Medien als Erpresser beschimpft. Nun ist das Ziel erreicht, was sind die Auswirkungen? Die Grossbankenerträge werden in Zukunft weniger volatil und kleiner sein, ihre Bilanzen werden schrumpfen, ihr Kapital wird in Relation zur Bilanz steigen und wir werden das wohlige Gefühl von Sicherheit geniessen. Die Regulatoren werden diese Strategie begrüssen und wieder beruhigt schlafen können.

Die andere Seite ist, der «brain drain» aus den Kernkompetenzen der Grossbanken wird sich beschleunigen. Die Auswirkungen werden wir in der nächsten Krise im Schweizer Markt spüren. Die Liquidität in den Märkten wird weiter sinken, doch wir werden das erst bei der nächsten grossen Richtungsänderung der Märkte erfahren, das Geschrei wird gross sein. Und gerade die ungeliebten Investmentbanker haben die höchsten Steuern und AHV-Beiträge bezahlt, wer tut das in Zukunft?

Der Aderlass war eine beliebte Therapie im Mittelalter, die sich allerdings als bestenfalls nutzlos, doch meistens als tödlich erwies.

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