Der Kommentar: In der tief konservativen Heimat der Mormonen, dem US-Bundesstaat Utah, traf ein Richter vor Weihnachten einen bemerkenswerten Entscheid. Er kippte das Verbot für Homo-Ehen, weil es verfassungswidrig sei. Noch ist unklar, wie das Urteil umgesetzt wird, doch der Trend im Westen ist eindeutig: Immer mehr Staaten erweitern den traditionellen Ehebegriff und erlauben gleichgeschlechtlichen Paaren die Heirat.

Vor diesem Hintergrund bahnt sich auch in der Schweiz eine Debatte über die Homo-Ehe an – mit umgekehrten Vorzeichen. Im Herbst entschied der Bundesrat, die Volksinitiative der CVP zur Aufhebung der «Heiratsstrafe» zu unterstützen, die erstmals die Ehe als exklusiv heterosexuelle Lebensgemeinschaft in die Verfassung schreiben will. Es ist der gleiche Bundesrat, dessen Exponenten gerne betonen, wie offen und weltläufig die Schweiz sei.

Und doch dürfte die Regierung mit ihrer Haltung nahe beim Volk sein. Die Anforderungen der ansässigen globalen Konzerne und der Druck internationaler Organisationen haben den Einfluss der Politik auf die Wirtschaft geschmälert. In Fragen der Religion, Erziehung und Familie konnten sich aber konservative Kräfte auf die Neigung der Schweizer zum Bestehenden verlassen. Die Stimmbürger verboten Minarette, stimmten gegen die Harmonisierung des Schulwesens und zementierten (über das Ständemehr) ein traditionelles Familienbild, indem sie den Familienartikel ablehnten. Es wäre keine Überraschung, wenn sich dieser konservative Reflex auch in der Frage nach der Ehe zeigte. Selbst wenn er auf die Kosten einer Gesellschaftsgruppe ginge, der ein Grundrecht vorenthalten bleibt.

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