Absturz eines Idealisten

Die Nachricht: Die USA stehen unter Präsident Obama vor einem Militäreinsatz gegen das Assad-Regime in Syrien.

Der Kommentar: Es war einmal ein Idealist, der die Herzen alter und junger Amerikaner für sich gewann und nach einem ekstatischen Wahlkampf ins Weisse Haus einzog. Er versprach Besserung nach acht Jahren der aussenpolitischen Abenteuer, ein Ende der Kriege im Nahen und Mittleren Osten und eine Neufokussierung Amerikas auf den pazifischen Raum. Dafür erhielt er bereits in seinem ersten Amtsjahr den Friedensnobelpreis.

Seither ist Barack Obama, von dem hier die Rede ist, von der Realität eingeholt worden. Gerade in der Aussenpolitik, in der Obama mittels länderübergreifenden Kooperationen mehr Verständnis für die Position der USA gewinnen wollte, steht er mit abgesägten Hosenbeinen da. Jüngstes Beispiel ist Syrien: Obama schaute teilnahmslos zu, als der Bürgerkrieg eskalierte. Seine rhetorischen Warnungen an das Regime verhallten ungehört.

Und als er dann schliesslich einen Militärschlag androhte, weil auf dem Schlachtfeld Giftgas eingesetzt worden war, verknüpfte er diesen Kraftakt mit der Zustimmung des Parlaments – eine Zusatzschlaufe, die immer stärker einem Eigentor gleicht. Obama mag seine Gründe für die Kehrtwende haben: Er sei gewählt worden, um Kriege zu beenden, und nicht Kriege zu beginnen, sagte er diese Woche. Für ein breites Publikum aber ist diese Argumentation nicht nachvollziehbar.

Tatsache ist: Knapp ein Jahr nach seiner triumphalen Wiederwahl steckt Obama in einer Sackgasse. Politisch ist der Präsident angeschlagen, seine Führungsstärke wird von Freund und Feind in Zweifel gezogen. Das sind keine guten Vorzeichen – innen- wie aussenpolitisch.

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