Dennoch jagen sich schon die Gerüchte: Im laufenden Streit werden wohl einige tausend US-Konteninhaber auf dem Altar des Bankgeheimnisses geopfert werden. Fälle, in denen ein Abgabebetrug vermutet werden kann, sollen ausgeliefert werden. Damit ist das Bankgeheimnis bis zum Zerreissen ausgereizt, aber es kann als Fiktion noch aufrechterhalten werden.

Ein Bankenveteran aus den USA hat mich gleich angerufen und warnt die «Schweizer Sennen» vor Illusionen. Die Amis werden die goldene Chance nicht auslassen, sich gleichzeitig wie Wegelagerer in den Tresoren der UBS zu bedienen. Bereits ist die Rede von drei- bis vierstelligen Millionenbeträgen Bussgeld, das im Vorbeireiten noch kassiert werden wird. «Lösegeld» nennt es ein anderer Banker.

Eines steht heute schon fest: Die Freigabe der Kundendaten ist mehr als nur ein weiterer Sargnagel für das Bankgeheimnis. Und die Konsequenzen sind auch schon klar. Alle anderen Schweizer Banken, die sich noch nicht vorgesehen haben, werden gleichfalls zu Kreuze kriechen müssen.

Am Dienstag gibt die UBS ihre roten Halbjahreszahlen bekannt. Bern und Washington haben jedoch der Bank einen Maulkorb verpasst: Kein Wort zum Kompromiss darf über die Lippen kommen, bevor der Richter am 7. August seinen Segen gegeben hat. Abwarten und Teetrinken ist angesagt.

Die Börse lebt aber glücklicherweise nicht von der UBS allein. Nächste Woche werden die Halbjahreszahlen der Swiss Re und der Zurich bekannt. Sie werden erfreulich gut sein. Im Gegensatz zu den Banken haben die Versicherungen ihre Hausaufgaben nach dem Finanzdebakel schnell gemacht.

Sie haben sich rassig – wenn auch unter Verlust – von ihren spekulativen Ausflügen verabschiedet.

Die Ernüchterung brachte eine Rückbesinnung auf das traditionelle Kerngeschäft: Alles versichern, was sich versichern lässt. Und damit fahren sie (wieder) gut. Die Swiss Re kämpft sich zurück auf eine Spitzenposition im globalen Rückversicherungsgeschäft, die Zurich zeigt sich in lukrativen Märkten sehr expansiv. Absichern mit Versicherungen wird nicht die schlechteste Anlegerstrategie sein.