Was das für die Infrastruktur unseres Landes bedeutet, wurde lange Zeit unterschätzt. Zwar gehört die Personenfreizügigkeit, welche hauptsächlich für den Boom verantwortlich ist, zu den Top-Themen in der Politik. Meist aber wird über deren Folgen für Jobs, Löhne, Immobilienpreise und Zersiedelung diskutiert.

Jetzt rückt der Ausbau des Strassennetzes in den Vordergrund. Zu Recht. Der Verkehr auf den Autobahnen hat sich in den letzten zwanzig Jahren glatt verdoppelt. Jeder Autofahrer spürt die Folgen: Auf dem Zürcher Nordring etwa staut sich der Verkehr jeden Tag – das Wochenende eingerechnet – im Durchschnitt fast 8 Stunden lang. Pro Fahrtrichtung!

Stau ist so normal geworden wie Regenschauer, darum macht er keine Schlagzeilen mehr. Wenn es aber beim Gubrist- oder Bareggtunnel, in Bern-Kriegstetten oder zwischen Zürich und Winterthur an 300 oder mehr Tagen im Jahr Stau gibt, dann ist das nicht mehr normal. Dieser tägliche Wahnsinn kostet Pendler, die aufs Auto angewiesen sind, und Familien, die nicht überall hin den Zug nehmen können, Nerven – und die Wirtschaft Milliarden von Franken.

Darum ist es begrüssenswert, dass Verkehrsministerin Doris Leuthard, die beim Atomausstieg ihre grüne Seite demonstrierte, nun beim Strassenverkehr auto- und wirtschaftsfreundlich entschieden hat. Sie will mehr Mittel in den Autobahnausbau stecken und die Finanzierung in der Verfassung verankern. So, wie das SVP-Verkehrspolitiker Ulrich Giezendanner seit langem fordert. Dieser wiederum, mit den einflussreichen Verbänden TCS, ACS und Auto-Schweiz im Rücken, bietet im Gegenzug Hand zu einem 15 bis 20 Rappen höheren Benzinpreis. In der Regierung wie bei den Verbänden scheinen sich Pragmatismus und Vernunft durchzusetzen. Gut so.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!