Wie schon die Verhaftungen dreier IS-Kämpfer bei Schaffhausen im letzten Jahr zeigt der Fall Genf, dass die islamistische Gefahr an der Grenze nicht haltmacht. Die Schweiz ist Teil des Schengen-Raums, und Genf ist Teil einer Grossagglomeration mit Zehntausenden von Grenzgängern. Die nahen französischen Städte Annecy und Annemasse wurden in französischen Medien auch schon wegen radikalisierter Jugendlicher genannt, die in gettoartigen Quartieren wohnen. Was heisst das für die Sicherheit der UNO-Stadt Genf, für die Sicherheit der Schweiz?

Es fällt auf, dass die Schweizer Behörden sowohl im Fall Genf wie im Fall Schaffhausen vom US-Geheimdienst auf die dschihadistischen Aktivitäten hingewiesen wurden. Und dass die Verhaftungen der beiden Syrer Kommissar Zufall zu verdanken sind. Abhängigkeiten und Zufälligkeiten: Das trägt nicht zum Eindruck bei, unsere Behörden hätten alles im Griff. Machen diese also ihren Job nicht gut? Dieser Schluss wäre falsch. Der Kanton Genf hat fast eine halbe Million Einwohner, und etwa 8000 Diplomaten und internationale Beamte arbeiten dort. Diesem Kanton stehen gerade einmal 1400 Polizisten zur Verfügung. Sicherheitsdirektor Pierre Maudet sagt, die jetzige Alarmbereitschaft könne mit eigenen Sicherheitskräften nur noch bis Weihnachten aufrechterhalten werden (siehe Artikel links).

Es ist eine Realität in Genf und im ganzen Land: Wir sind im Kampf gegen islamistische Extremisten auf ausländische Geheimdienste angewiesen. Sogar der linke Soziologe Jean Ziegler sagt, das sei zwar unangenehm, aber es gebe keine Alternative. Zugleich werden die Kantone und der Bund nicht umhinkommen, selber wieder mehr in die Sicherheit zu investieren. Sich nur auf Abhängigkeiten und Zufälligkeiten zu verlassen, das kanns nicht sein.