Der Kommentar: Die Gemeinden seien die «Schule der Demokratie», schrieb der französische Historiker Alexis de Tocqueville im 19. Jahrhundert. Das Bonmot hat noch heute Gültigkeit: In den Gemeinden erleben die Bürgerinnen und Bürger die Demokratie unmittelbar und viele wirken daran aktiv mit. Im Zeitalter der Politikverdrossenheit und des Wutbürgertums hat das Vertrauen in die Gemeinde weit weniger gelitten als jenes in «die in Bern oben».

Doch Abgehobenheit und Weltfremdheit gibt es auch in der Dorfpolitik. In Moosleerau AG kündigte der Gemeinderat einer Schweizer Familie die Wohnung, um diese für Asylbewerber freizumachen. Nach einem Sturm des Protests krebste der Gemeinderat zurück, und die Gemeindepräsidentin beschwert sich nun über die vielen bösen Reaktionen.

In Dürnten ZH hat die Gemeinde einen Hilfsarbeiter, der weder lesen noch schreiben kann und darum keine Steuererklärung einreichte, während Jahren falsch eingeschätzt. Sie ging zuletzt davon aus, dass sein steuerbares Einkommen 480 000 Franken (!) im Jahr betrage. Der pflichtbewusste Hilfsarbeiter musste sogar Land an die Gemeinde verkaufen, um die vermeintlichen Steuerschulden zu begleichen. Jetzt zahlt ihm die Gemeinde nicht einmal den ganzen Fehlbetrag zurück. Auch in Dürnten beschwert sich der Gemeinderat über die heftigen Reaktionen.

Beide Fälle wurden nur dank den Medien bekannt. Opfer sind einfache Bürger, die sich nicht zu wehren wissen. Wie viele ähnlich gelagerte Fälle bleiben unentdeckt? Wenn Bürgernähe selbst in kleinen Gemeinden zur blossen Etikette wird, fällt ein wichtiges Argument gegen Gemeindefusionen.

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