Der Kommentar: Sieben Unfälle forderte die Streif in den vergangenen 15 Jahren. Auffällig: Fast alle passierten bei Trainingsfahrten.

Ist das Zufall? Ja, sagen die Experten. «Die Piste ist toll, es ist alles sicher», sagte Günter Hujara, FIS-Renndirektor, nach dem Sturz von Grugger. «Es sind 59 gestartet, einer ist gestürzt. Es gibt keinen Grund für Änderungen.» Wolfgang Maier, der Direktor vom Deutschen Skiverband, sagte lapidar: «Die Streif kann man nicht langsamer machen, die ist eben so.»

Was aber sagen die allerbesten Fahrer der Welt? Didier Cuche kritisierte: «Das Problem ist, dass es bei den ersten zwei Kurven Schläge gibt. Wenn man da Probleme hat, kann man die Mausefalle nicht mehr richtig ansteuern.» Diese Schläge wurden erst aufs Rennen hin geglättet. Schon vor zwei Jahren, vor der verheerenden Trainingsfahrt von Daniel Albrecht, hatte er die Rennverantwortlichen auf den zu gefährlichen Zielsprung aufmerksam gemacht. Entschärft wurde die Kante erst nach dem brutalen Sturz von Albrecht.

Der Gesamtweltcup-Führende Ivica Kostelic: «Fast jedes Jahr gibt es in Kitzbühel einen beinahe tödlichen Unfall». Dass nichts geändert werde, sei «einfach schlimm und unmöglich». Der Sprung an der Mausefalle gehe nach wie vor zu hoch und zu weit, gehöre deswegen entschärft. Kurz vor dem Rennen am Samstag haben sich die Verantwortlichen dann doch noch entschlossen, den Absprung etwas abzuschleifen. Zudem wurde die Kante mit blauer Farbe markiert, damit sie besser sichtbar ist.

Die totale Sicherheit wird es bei Skirennen nie geben. Wenn man den besten Fahrern zuhört, entsteht aber der Eindruck, dass manche Streckenabschnitte nach wie vor zu gefährlich sind – vor allem in den Trainings. Die Abfahrer dürfen nicht zu Testpiloten der Strecke werden. Das wird seltener der Fall sein, wenn die Verantwortlichen die Vorschläge von Fahrern wie Cuche oder Kostelic endlich umsetzen. Wenn nicht, werden die Profis häufiger so reagieren wie gestern Doppelolympiasieger und Dreifachweltmeister Benjamin Raich: Er hat auf das Rennen verzichtet.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!