Der Mann, der uns all diese Gadgets bescherte, die wir so lieben, lebt nicht mehr. Apple-Gründer Steve Jobs hat aus der Marke mit dem angebissenen Apfel einen Kult gemacht. Von Apple-Jüngern war schnell die Rede, die neue Produkte schon fast wie eine Religion lobpreisen. Jobs hat viele aufschlussreiche Sätze hinterlassen. Einer lautet: «Der Computer ist das bemerkenswerteste Werkzeug, das wir je bekommen haben. Er ist so wie ein Fahrrad für unseren Geist» (Zitat von 1990 aus dem Dokumentarfilm «Memory & Imagination»). Diese Fahrräder sind heute schnittige Style-Objekte, die so sexy wirken, dass Menschen dafür stundenlang anstehen. Apple hat im ersten Quartal 2012 mehr als 46 Milliarden Dollar Umsatz gemacht. Das ist beinahe doppelt so viel wie in der Vergleichsperiode ein Jahr zuvor. Und erst recht beachtlich, wenn man die Zahl mit allen Nullen ausgeschrieben sieht: 46 000 000 000.

Um was geht es der wertvollsten Marke der Welt, wenn sie mit allen Mitteln die Nähe zu Lehrern sucht? Um was geht es Facebook, wenn das soziale Netzwerk neu auch unter 13-Jährigen erlauben will, ein Profil anzulegen? Um was geht es Google, wenn der Suchmaschinen-Gigant noch mehr Informationen über das Nutzerverhalten sammeln und sie miteinander vernetzen will? Es geht ums Business. Das ist auch völlig legitim. Zu oft noch aber wollen uns Apple, Facebook und Google weismachen, nicht am eigenen Wohl, sondern ausschliesslich an jenem ihrer Kunden interessiert zu sein. Nur damit Sie mich richtig verstehen: Ich finde Apple grossartig, nutze Google regelmässig und halte Facebook nicht für Teufelszeug. Aber es gilt genau zu beobachten, welche Türen die grossen drei im Internet noch aufstossen wollen. Sie agieren nicht als Hilfswerke, sondern als Geldmaschinen.

Eines der Vermächtnisse von Steve Jobs ist: «Ich war über 1 000 000 Dollar schwer, als ich 23 war, über 10 000 000 Dollar, als ich 24 war, und über 100 000 000, als ich 25 war, und es war nicht so wichtig, weil ich es nie des Geldes wegen getan habe.» Den Shareholdern geht es ganz bestimmt ums Geld. Ob bei Apple oder Google. Und bei Facebook – mitten in den Vorbereitungen zu einem gigantischen Börsengang – sowieso. «Es ist entzückend und erschreckend zugleich», sagt Randi Zuckerberg, wenn sie davon erzählt, wie schon ihr neunmonatiger Sohn nach dem iPhone greift.

Wir müssen unsere Kinder nicht vor der digitalen Entwicklung fernhalten, denn sie hat ungemein viele Vorteile. Steve Jobs sei Dank. Aber wir müssen uns dafür einsetzen, dass es klare Leitplanken gibt. Die Gefahren lauern nicht nur in einem Suchtverhalten, sondern auch in einer wirtschaftlichen Abhängigkeit. Dass Lehrer im Dienste von Apple weibeln, ist ein Interessenkonflikt. Dass Google mit dem Dienst Street View die Privatsphäre ritzte, ist bedenklich. Und dass Facebook die Alterslimite herabsetzen will, ist für Eltern keine gute Nachricht.

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