Man traut seinen Augen und Ohren nicht. Herr Hoeness wird von ganz Deutschland, seinen «Freunden» inklusive, als Steuerhinterzieher an den Pranger gestellt, aufgrund von Vermutungen wohlgemerkt, da bislang kaum Fakten bekannt sind. Die Sozialisten haben sofort ein Wahlkampfthema daraus gemacht und fühlen sich bestätigt in ihrer Ablehnung des Abgeltungssteuervertrages mit der Schweiz. In jeder Talkshow, und in Deutschland gibt es unzählige, wurde der Stab über Herrn Hoeness gebrochen.

In einer dieser Shows versuchte ein Schweizer Chefredaktor zu erklären, dass es nicht die Schuld der Schweiz ist, wenn Deutsche Steuern hinterziehen, aber es blieb beim Versuch, er wurde sofort als Bösewicht ausgepfiffen. Eine Schweizer Zeitung vergleicht die Methoden, mit denen gegen Steuerhinterzieher in Deutschland vorgegangen wird, mit jenen der Stasi.

Wirklich neu ist das Vorgehen nicht. Im sozialistischen Grossbritannien der 1970er-Jahre zum Beispiel herrschte eine ungeheure, aber populäre Steuerhinterziehungs-Mentalität, ausgelöst durch Steuersätze von weit über 50 Prozent. Unmittelbar nach ihrem Wahlsieg in 1979 senkte Margaret Thatcher die Steuern und stellte prominente Steuerhinterzieher an den Pranger. Das wirkte Wunder für die Steuerzahlungsmoral.

Das Gleiche passiert nun in Deutschland. Treibende Kraft sind hier allerdings Behörden und Medien und nicht die regierenden Parteien. Der Fall Hoeness toppt alle bisher getätigten CD-Käufe und wird dafür sorgen, dass die Steuereinnahmen markant steigen.

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