Doch sich ins Private zurückzuziehen und die Rollläden herunterzulassen, das kann nicht die Lösung sein. Erstens weil die Weltereignisse sich ja ohnehin auf unseren Alltag auswirken: Die Debatten über Asylunterkünfte in den Gemeinden oder die Folgen der Euro-Schwäche für unsere Arbeitsplätze zeigen es. Zweitens weil eine offene, demokratische Gesellschaft nur Bestand haben wird, solange sie aus informierten, engagierten Bürgern besteht. Wie reagiert die deutsche Politik auf den Anschlag von Berlin? Welche Lehren müssen gezogen werden? Wie findet man die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit? Das sind Fragen, die in einer Demokratie alle Bürgerinnen und Bürger etwas angehen.

Es stimmt, dass 2016, global gesehen, durch viele Rückschläge gezeichnet war. In der Türkei kam es nach dem Putschversuch zu einer Repressionswelle, Präsident Erdogan lässt Oppositionelle und Journalisten einsperren. In Russland gebärdet sich Präsident Putin immer autoritärer, sein Einfluss im Nahen Osten ist dieses Jahr gewachsen, er stützt Syriens Diktator Assad. Der aufstrebende Riese China wird politisch unberechenbarer, wie die Beschlagnahme einer Drohne der USA letzte Woche zeigte. Und mitten in Europa, in Polen und in Ungarn, werden Menschenrechte wie die Pressefreiheit mit Füssen getreten.

Und doch gibt es auch nach diesem Jahr Grund zur Zuversicht. Selbst der Brexit und die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, die in den meisten Medien unter «bad news» laufen, haben ihr Gutes. Die Sorgen vieler Menschen über zu viel Migration können von den Regierungen nicht mehr ignoriert werden. Die Verlierer der Globalisierung, die zu Auswüchsen geführt hat, müssen ernstgenommen werden. In der politischen Debatte ist eine neue Ernsthaftigkeit zu spüren, die bei der jungen Generation zu einer Repolitisierung führen könnte.

Für unsere heutige Weihnachtsausgabe haben wir uns auf die Suche gemacht nach guten Nachrichten. Ja, es gibt sie! Die Jugendkriminalität ist hierzulande auf den tiefsten Stand gesunken, seit sie statistisch erhoben wird. Krankheiten, die bislang unheilbar waren, könnten dank der Gentechnik-Methode Crispr plötzlich besiegt werden. China, ausgerechnet, will zum Vorreiter gegen den Klimawandel werden. Und dann stellen wir Ihnen auf dieser Doppelseite Menschen vor, die sich Tag für Tag engagieren, um Leid und Elend zu mindern. Menschen, die im Hintergrund arbeiten, sollen heute für einmal im Vordergrund stehen.

Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich frohe Weihnachten und dass 2017 ein gutes Jahr für Sie wird.

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