War 2015 ein gutes oder ein schlechtes Jahr? Den meisten Menschen dürften vor allem finstere Ereignisse einfallen: Terror, Flüchtlingskrise, Kriege und aus Schweizer Sicht die Euro-Schwäche, welche Industrie und Tourismus belastet. Unsere Wahrnehmung ist geprägt von einzelnen Ereignissen und von Bildern. Entwicklungen zum Guten aber sind oft weniger sichtbar, vielleicht mit Ausnahme von politischen Durchbrüchen wie der Klimakonferenz von Paris oder der Annäherung zwischen den USA und Iran, von denen triumphierende Staatsmänner in Erinnerung bleiben.

Die Welt bewegt sich in vielem in die richtige Richtung, ohne dass es davon Bilder gäbe. Von den 7,3 Milliarden Menschen leiden noch 805 Millionen an Hunger, also jeder neunte Erdenbewohner; vor einem Vierteljahrhundert war es jeder fünfte. Die Zahl der Aids-Toten ist so tief wie seit 15 Jahren nicht mehr, die der Malaria-Opfer tiefer denn je, Kinderlähmung ist praktisch ausgerottet. Noch nie hatten so viele Kinder Zugang zu Bildung, noch nie so viele Menschen Anschluss ans Internet, noch nie war die Kindersterblichkeit so gering wie 2015. IT-Pionier Bill Gates nennt es darum ein «grossartiges Jahr für die Menschheit».

In der Schweiz wurden nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses eine Rezession und der Abbau Zehntausender von Jobs prognostiziert. Doch die Rezession blieb aus, und die Arbeitslosigkeit liegt fast unverändert bei 3,4 Prozent – dank der Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft der Unternehmen und ihrer Angestellten. Falsch lagen die Schwarzmaler auch bezüglich Kriminalität. Die Jugendgewalt sinkt, die Delikte gingen innerhalb von fünf Jahren um 40 Prozent zurück. Weil unsere Jugend auch weniger Drogen konsumiert und konservativer tickt, wird sie von Soziologen als langweilig verschrien. Glücklich das Land, das solche Probleme hat.

Liebe Leserinnen und Leser, ich danke Ihnen für die Treue zu unserer Zeitung und wünsche Ihnen, dass 2016 ein gutes Jahr für Sie wird.

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