Kaum ein Land kann so zuversichtlich ins neue Jahr blicken wie die Schweiz. Das britische Wirtschaftsmagazin «The Economist» kommt zum Schluss, dass weltweit jene Babys, die hier geboren werden, die besten Aussichten haben auf ein gutes Leben. Was will man mehr?

Und doch liegt ein Hauch von Zukunftsangst über unserer Insel der Glückseligkeit. Die Menschen spüren: Der Wohlstand ist brüchig geworden. Eine Studie von Avenir Suisse zeigte kürzlich auf, wie der Mittelstand zunehmend ausgepresst wird. Wir haben es gut, ja. Aber die Zeiten, wo es die nächste Generation automatisch besser hatte, scheinen vorbei zu sein.

Das spüren die Leute. Wenn der Wohlstandskuchen nicht mehr wächst, wird die Frage nach dessen Verteilung wichtiger. Das zeigt die Dauerdebatte um überrissene Managerlöhne, die im März kulminiert, wenn wir über die Abzocker-Initiative abstimmen. Das zeigt aber auch das zweite politische Thema, das die Agenda beherrscht: die Zuwanderung. Können wir uns die zügellose Personenfreizügigkeit noch leisten? Macht es Sinn, unser Land auch für Arbeitskräfte aus Kroatien zu öffnen, wie es der Bundesrat diese Woche beschlossen hat? Gibt es noch genug zu verteilen?

Unsere Wirtschaft wächst zwar dank der Personenfreizügigkeit, aber der Wohlstandsgewinn daraus verteilt sich einfach auf mehr Köpfe – der Einzelne spürt wenig davon. Das zentrale Thema 2013 wird sein: Wie lässt sich der Wohlstand, den die Schweiz durch die Finanz- und Schuldenkrise gerettet hat, auch in Zukunft wahren? Zum Glück entscheiden bei uns darüber nicht, wie in den Krisenländern, Regierungen und Kommissionen. Sondern die Bürgerinnen und Bürger.

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