Der Kommentar: Skifahren ist und bleibt Herr und Frau Schweizers emotionalste Sportart. Wenn die Fussball-Nationalmannschaft verliert, wird da und dort milde Kritik ausgeübt. Für das Schweizer Medium mit den grössten Lettern hat Nationalcoach Ottmar Hitzfeld eine Lebensversicherung abgeschlossen. Auch das zeichnet einen geschickten Strategen aus. Im Skisport lösen Niederlagen nationale Komplexe aus. Inzwischen ist das mediale Trommelfeuer eröffnet worden. Da ist Swiss-Ski nur mit einem People-Magazin eine Partnerschaft eingegangen. Von dort hätte dem Verband ohnehin keine Gefahr gedroht. Sonst wird aus gewissen Schützengräben schonungs- und zuweilen auch orientierungslos losgeballert. Lösungsansätze sind Mangelware.

Nirgends ist das Innenleben einer Sportart komplexer. Material, äussere Einflüsse durch Wind und Wetter, aber auch öffentlicher Druck, Technik, Kondition, Psyche, Nervenkrieg – Skifahren ist der Sport der 1000 Geheimnisse, oft bar jeder Logik. 1 + 1 gibt im Skisport selten 2. Das Risiko einer Negativspirale ist virulent. Zum Glück haben die Frauen aus ihrem Tief gefunden. Der 4. Rang von Fabienne Suter im Super-G und der 5. von Lara Gut in der Superkombination waren keine spektakulären Leistungen, aber deutliche Lebenszeichen.

Bei den Männern wird nach dem Rücktritt von Didier Cuche und Ausfall von Beat Feuz, die im letzten Winter 20 von 24 Podestplätzen errangen, die Durststrecke länger dauern. Vor der letzten Erfolgswelle 2007 bis 2012 dauerte sie 1000 (sieglose) Tage. Plötzlich werden dann auch 6. und 9. Ränge wieder ästimiert. Und damit die Basis für künftige Erfolge gelegt. Dafür braucht es Geduld und Gelassenheit. Die Schweiz wird immer von Einzelathleten abhängig sein. Alles andere ist eine Illusion.

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