Dagegen wirkt der Newsroom der Blick-Gruppe geradezu winzig: Die beiden Medienhäuser Ringier und Axel Springer suchen ein neues Zuhause für ihr geplantes Joint Venture im Zeitschriftengeschäft. Am neuen Standort werden 450 Mitarbeiter auf fast 10 000 Quadratmetern Platz finden. Zum Vergleich: Im Blick-Newsroom arbeiten 250 Journalisten, verteilt auf 3400 Quadratmetern. Die neue Heimat dürfte doppelt so gross werden.

Bis 2017 soll das neue Unternehmen über ein gemeinsames Zuhause verfügen. Das betrifft Journalisten mehrerer grosser Zeitschriften. Die Redaktionen der «Schweizer Illustrierten», «Glückspost», «Beobachter», «Handelszeitung», «Bilanz» und viele mehr müssen demnächst umziehen. Zeitungen sind davon ausgenommen. Bisher gingen die betroffenen Journalisten davon aus, dass sie weiterhin im Kanton Zürich arbeiten werden, doch es könnte ganz anders kommen.

Gemäss Recherchen der «Schweiz am Sonntag» steht das ehemalige Hero-Areal gleich neben dem Bahnhof Lenzburg AG ganz oben auf der Liste. Dort entsteht ein neues Quartier mit 20 000 Quadratmeter Büro- und Gewerbefläche sowie 500 Wohnungen. Unweit des Bahnhofs, 19 Minuten mit dem Zug ab Zürich HB. Es ist vor allem Ringier, 50-Prozent-Partner des neuen Joint Ventures mit Goldener Aktie, das dem Standort Lenzburg positiv gegenübersteht. Ex-Ringier-CEO Martin Werfeli macht sich dafür stark, ebenso Alexander Theobald, Leiter Unternehmensentwicklung bei Ringier.

Gespräche mit dem Aargauer Regierungspräsidenten Urs Hofmann (SP) fanden bereits statt, und diese Woche war eine Delegation der Stadt Lenzburg bei Ringier in Zürich. Stadtammann Daniel Mosimann (SP) will sich nicht konkret dazu äussern, sagt lediglich: «In Lenzburg lässt es sich nicht nur gut wohnen, sondern auch gut arbeiten.» Ringier ist im Aargau verwurzelt: Die Eigentümerfamilie stammt aus Zofingen, wo das Unternehmen bis heute seinen Sitz hat.

Für den Aargauer Standort sprechen nicht nur die im Vergleich zu Zürich günstigeren Immobilienpreise, sondern auch steuerliche Vorteile. Ringier-Sprecher Edi Estermann will sich zu einem Standort Lenzburg nicht äussern, bestätigt aber, dass die Medienhäuser Büros ausserhalb Zürichs in Erwägung ziehen. «Wir prüfen auch Objekte im Kanton Aargau, das ist korrekt», sagt er. Steuerliche Aspekte würden bei der Standortsuche ebenfalls berücksichtigt. «Wir hoffen, in den nächsten Wochen eine Entscheidung zu haben», sagt Estermann.

Neben Lenzburg sollen noch zwei Standorte in Zürich im Rennen sein. Vor allem Ralph Büchi, President International der Axel Springer SE, soll Zürich gegenüber Lenzburg vorziehen. Er ist Delegierter des Verwaltungsrats der neuen «Ringier Axel Springer Medien Schweiz AG», die per 1. Januar 2016 operativ tätig sein wird. Ringier-Chef Marc Walder wird Verwaltungsratspräsident.

Mit dem neuen Unternehmen wollen die Medienhäuser insbesondere die Digitalisierung ihrer Marken forcieren. Eine entsprechende Absichtserklärung für das Jointventure erfolgte bereits im Dezember 2014. Das Ausmass der geplanten Zusammenarbeit rief allerdings die Wettbewerbskommission Weko auf dem Plan. Inzwischen haben die Weko und das deutsche Bundeskartellamt aber grünes Licht gegeben.

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