VON FELIX STRAUMANN

Nach Jahren schlechter Nachrichten über den Zustand der Weltmeere gibt es für einmal Positives zu vermelden: Die Überfischung ist bei vielen Fischarten umkehrbar. Dies zeigt sich in der Nordsee, wo es wieder mehr Kabeljau und Scholle gibt, wie Schätzungen des Internationalen Rats für Meeresforschung (ICES) ergeben haben.

Das Gremium hat deshalb die Fangempfehlungen für das kommende Jahr erhöht. Doch nicht nur in der Nordsee scheint es aufwärtszugehen. Vor Monatsfrist berichtete ein internationales Forscherteam im Fachblatt «Science», dass fünf der zehn analysierten Meeresgebiete weniger stark ausgebeutet wurden, als dies bei früheren Untersuchungen der Fall war.

Was ist passiert? «Bei der Fischerei ist es ähnlich wie in der Landwirtschaft: Eine schlechte Ernte bedeutet nicht, dass dies auch das nächste Jahr so ist», sagt Heino Fock. Er ist Fischereibiologe an der deutschen Bundesforschungsanstalt für Fischerei und an den jährlichen Fangempfehlungen für die Gewässer im deutschen Hoheitsgebiet beteiligt.

Sehr fruchtbare Fischarten wie Kabeljau oder Scholle, die bereits im Alter von drei bis vier Jahren geschlechtsreif sind und bis zu mehreren Millionen Eiern pro Tier produzieren, können sich sehr schnell erholen, sagt Fock. Voraussetzung sei, dass mit behutsamer Fischereipolitik und angemessenen Fangquoten für genügend Elterntiere gesorgt werde.

Gemäss Schätzungen des ICES hat sich der Elternbestand der Nordseescholle seit 2006 um über 50 Prozent auf gegen 400 000 Tonnen erhöht. Beim Kabeljau stieg er in der Nordsee im gleichen Zeitraum um etwa 75 Prozent auf 60 000 Tonnen. Für die nächsten zwei Jahre wird noch ein weiterer Anstieg erwartet.

Eine «gute Situation» ortet Fock auch bei anderen Fischen in der Nordsee – bei Seelachs, Schellfisch, Seehecht, Makrele und Nördlichem Hering. Probleme gibt es beim Hering, dem es vor wenigen Jahren noch blendend ging. Schuld daran sind aber offenbar für einmal nicht die Fischer, sondern der Klimawandel. Dieser hat die Meeresströmungen verändert, weshalb die Larven der Heringe an den falschen Ort gelangen, was die Fortpflanzung stört.

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