Das Kinderprogramm «Zambo» von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) war ein ambitioniertes Unterfangen. Es sollte zeigen, wie formidabel sich die Konvergenz – die Fusion von Radio, TV und Online – auf die Programmgestaltung und -qualität auswirkt. Jetzt wird deutlich: «Zambo» ist gescheitert. Zumindest im ersten Anlauf.

Denn: Das Programm erreicht auf SF zwei in der Zielgruppe der 6- bis 13-Jährigen nur gerade eins von zehn Kindern. Für SRF-Sprecherin Andrea Hemmi sind das «unbefriedigende Nutzungszahlen». Im Gegensatz dazu stösst das «Zambo»-Angebot auf Radio DRS 1 und im Internet auf befriedigendes Interesse.

Nun reagiert SRF auf die «Zambo»-Misere im Fernsehbereich. Und zwar radikal. «Zambo» wird Ende Februar 2012 vom zweiten ins erste Programm verschoben und um eine Stunde verkürzt: montags bis freitags 16.30 bis 17.30 Uhr. Die Sendung soll ein «klareres Profil» erhalten und sich vor allem auf die 10- bis 14-Jährigen und auf Eigenproduktionen konzentrieren. Andrea Hemmi sagt: «SRF muss sorgsam mit seinen Mitteln umgehen und flexibel auf Publikumsbedürfnisse reagieren.»

Für das Fernsehpersonal von «Zambo» hat die Neupositionierung gravierende Auswirkungen. Im Januar werden zehn bis zwölf Mitarbeitende die Kündigung erhalten; erste Gespräche sind bereits geführt worden. Hemmi: «SRF hat dies bewusst so gehandhabt, um den Betroffenen mehr Zeit zu geben, eine neue Stelle zu finden.» Ziel ist, sieben von 27 Vollzeitstellen einzusparen.

Opfer der Entlassungswelle sind in erster Linie Frauen. Darunter auffällig viele Teilzeiterinnen und alleinerziehende Mütter. Hemmi erklärt, dass bei «Zambo» der Frauenanteil «überproportional hoch» sei. «Deshalb sind auch mehr Frauen vom Abbau betroffen.»

Ernst Gräub, Sekretär der Mediengewerkschaft SSM, kritisiert, dass SRF ausgerechnet beim Konvergenz-Pilotprojekt «Zambo» den Konvergenz-Sozialplan nicht anwenden will. Besonders stossend: Vier von der Kündigung bedrohte Mitarbeiterinnen mit 40-Prozent-Pensen sind seit über zehn Jahren beim Schweizer Fernsehen beschäftigt. Gräub: «Eine von ihnen ist über 40 Jahre alt, drei sind knapp darunter. Wenn SRF den Sozialplan nicht anwendet, erhält nur die über 40-Jährige eine Abgangsentschädigung.» SRF-Sprecherin Hemmi verweist auf den Gesamtarbeitsvertrag, der hier zur Anwendung komme. Und sagt: «Über Einzelfälle erteilen wir keine Auskunft.»

Am Leutschenbach macht sich aufgrund der Kündigungen bei «Zambo« die Befürchtung breit, SRF beabsichtige, die Anzahl der Teilzeitstellen zu reduzieren. Das will Andrea Hemmi nicht gelten lassen: «SRF verfolgt keine Politik zur gezielten Reduktion von Teilzeitstellen.» In Einzelfällen könne es vorkommen, dass bei einem Abbau Teilzeitjobs betroffen seien. Im Grundsatz gelte aber, dass SRF «auch in Zukunft ein attraktiver Arbeitgeber für Mitarbeitende mit Familienverpflichtungen» sein wolle. Offenbar haben sich mehrere von der Kündigung bedrohte «Zambo»-Mitarbeiterinnen zusammengeschlossen und die Gewerkschaft um Unterstützung gebeten. SSM und SRF treffen sich am Mittwoch zu einer Sitzung. Gräub: «Das SSM wird für Entschädigungen gemäss Sozialplan kämpfen.»

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