Vor zwei Wochen kündigte Somedia-Patron Hanspeter Lebrument, Mit-Herausgeber der «Schweiz am Sonntag», nach 13 Jahren an der Spitze des Verlegerverbands seinen Rücktritt als Präsident an. Als Nachfolger soll an der Mitgliederversammlung vom 22. September Tamedia-Verleger Pietro Supino gewählt werden – eine Kandidatur, die Beobachter kaum überrascht hat. Für eine grössere Überraschung sorgt ein anderes Mitglied: die linke Wochenzeitung «WOZ», die vergangene Woche eine Kandidatur für den Verbandsvorstand eingereicht hat.

Kandidat ist der stellvertretende Redaktionsleiter Kaspar Surber, der die «WOZ» bereits bisher an den Mitgliederversammlungen vertreten hat. «Meine Kandidatur ist sehr ernst gemeint», sagt Surber. Der Verlegerverband habe die Aufgabe, die Unabhängigkeit und Qualität der Medien zu verteidigen. «Dies haben mehrere Präsidiumsmitglieder kürzlich mit der Aussage unterwandert, die Trennung von Werbung und Inhalt müsse relativiert werden. In diesem Punkt will die «WOZ» ein Gegengewicht bilden und auf die Unabhängigkeit des Journalismus pochen.» Weiter will Surber den zögerlich angelaufenen Prozess hin zu einem Gesamtarbeitsvertrag für die Medienbranche vorantreiben: «Die Arbeitsbedingungen müssen verbessert werden.» Einmischen will sich Surber auch in die festgefahrene Service-public-Debatte. «Der Kampf des Verlegerverbands gegen die SRG ist kontraproduktiv, wir brauchen einen starken Service public. Diese Stimme kommt im Verband heute zu kurz.»

Bereits an der letzten Mitgliederversammlung des Verbands Schweizer Medien vor einem Jahr sorgte der «WOZ»-Delegierte Kaspar Surber für Aufsehen, als er gegen den anfänglichen Willen von Präsident Lebrument den Antrag durchbrachte, Verhandlungen über einen Medien-GAV zum Jahresziel des Verlegerverbands zu erklären.