Herr Kaiser, heute Abend endet die Fussball-WM: Wie sehr haben Sie in den vergangenen Wochen gelitten?
Dominik Kaiser: Das war nicht einfach. Für einen TV-Sender, der keine Fussballspiele zeigt, heisst es alle vier Jahre: Kopf einziehen und unten durch. Bei den ganz grossen Spielen haben wir nur halb so viele Zuschauer wie gewöhnlich.

Sie selbst waren während der WM in den USA. Welche Serien haben Sie mitgebracht?
Die meisten neuen Serien schauen wir uns jeweils Ende Mai an den Screenings in L.A. an. Für zwei Sendungen haben wir gleich ein Angebot unterbreitet. Konkreter kann ich aber noch nicht werden.

Wie steht es um neue Eigenproduktionen? Sehen wir bald die Bachelorette?
Wir werden genau beobachten, ob die Sendung bei RTL einschlägt. Wenn die Zuschauerzahlen gut sind, werden wir uns das sicher gut überlegen. Aber erst lassen wir RTL den Vortritt.

Demnach fehlt Ihnen der Mut.
Bisher hat die weibliche Version des Formats immer deutlich schlechter abgeschnitten als die männliche – weltweit. Wenn 20 Frauen um einen Mann buhlen, gibt es oft einen Zickenkrieg. Wenn 20 Männer um eine Frau buhlen, sagen sich die Jungs, die gerade kein Date haben: «Ok, dann lasst uns zusammen einen trinken gehen.»

Zickenkrieg ist also besser für die Quote.
Es ist einfach emotionaler. Ausserdem schauen Frauen nicht nur Männern, sondern auch gerne Frauen zu. Männer haben jedoch eine Vorbliebe fürs andere Geschlecht. Ein Teil der Zuschauer geht damit mit einer Bachelorette verloren.

Wäre eine Bachelorette nicht besser gewesen als nun eine Neuauflage des Bachelors. Der Neue kann Kultfigur Vujo kaum toppen.
Unser neuer Bachelor ist ein ganz anderer Typ als Vujo. Sieht super aus, sehr charmant und clever. Die Damen werden ihre Freude an ihm haben.

Und Vujo wird eine eigene Sendung bekommen?
Vujo ist ein Freund des Senders und das soll so bleiben.

Am 11. September startet 5+, welche Quote streben Sie an?
Mittelfristig wollen wir einen Marktanteil von eineinhalb bis zwei Prozent bei den 15- bis 49-Jährigen in der Primetime erreichen. Parallel investieren wir stark ins Programm von 4+. Wir haben gerade mehrere grosse Pakete mit Erstausstrahlungen von Blockbuster gekauft, wie das Finale der Twilight-Reihe, White House Down, oder The Amazing Spiderman 2.

Dabei sagten Sie einmal, dass es der grösste Fehler von TV3 war, zu viel Geld für die Erstausstrahlung ausgegeben zu haben. Der Sender stach bei «Titanic» sogar das SRF aus.
Bei «Titanic» hatten sich SRF und TV3 gegenseitig hochgepokert. Am Schluss war der Film deutlich zu teuer. Das bedeutet aber nicht, dass Erstausstrahlungen grundsätzlich keine gute Idee sind. Es kommt auch bei uns immer mal wieder vor, dass wir, wie bei Anger Management mit Charlie Sheen oder The Voice direkt gegen das SRF bieten.

Hat es sich gelohnt?
Schlussendlich habe wir für Charlie Sheens Sendung wohl zu viel bezahlt. Künftig zeigen wir die Sendung als Erstausstrahlung auf 5+.

Klingt als wäre Ihr neuer Sender eine Resterampe für Programme, die auf 3+ und 4+ gescheitert sind.
Nein, das sicher nicht. Wir haben investiert und viele neue Programme eingekauft.

Darunter befinden sich auch Sendungen, die fast 20 Jahre alt sind. Sind Serien wie «X-Factor – das Unfassbare» wirklich geeignet, um ein junges Publikum anzusprechen?
Die Serie ist nicht ganz so alt, gehört aber sicher zu den ältesten Programmen die wir zeigen. Sie ist bei den 15- bis 49-Jährigen nach wie vor sehr beliebt. Es ist entscheidend, dass man den Zuschauern auch etwas bietet, das Sie bereits kennen und mögen. Die richtige Mischung macht es aus.

Wie viel haben Sie in 5+ investiert?
(lacht) Tut mir leid, wir sind was Zahlen angeht sehr verschwiegen. Es gibt mittlerweile, eine ganze Reihe von Sendern, welche Teile unseres Konzepts kopieren. Die sollen selbst Erfahrungen sammeln.

Meinen Sie damit den neuen nationalen Sender TV24? (gehört den AZ Medien, die auch die «Schweiz am Sonntag» herausgeben)
Unter anderen. TV24 zeigt aber zusätzlich News. Etwas, das wir nur kurz probiert haben.

Ärgert Sie die neue Konkurrenz?
Manche sagen, dass es heute viel einfacher ist, einen neuen nationalen Sender zu starten. Meiner Meinung nach ist es genau umgekehrt. Es ist nun viel schwieriger, der Markt ist in allen Bereichen deutlich härter geworden. In der aktuellen Situation würde ich als Neuer, keinen alleinstehenden Sender mehr starten. Zum Beispiel konnten wir damals sehr guten Programme einkaufen. Diese sind heute – auch wegen uns – nicht mehr verfügbar.

Was halten Sie von der neuen Nackt-Dating-Show «Adam sucht Eva»?
In Holland war die Show ein Strassenfeger. Sie ist allerdings weniger auf Sex ausgerichtet, als man meinen könnte. Nach etwa zehn Minuten merkt man kaum mehr, dass die Kandidaten nackt sind. Es geht schnell ums Zwischenmenschliche. Ich finde es ein spannendes Experiment.

Doku-Trash bleibt bei Ihnen im Programm. Nach «Jung, wild & sexy», kommen nun «Die Bellers».
Das wird eine sehr unterhaltende Doku-Soap, die sicher zu reden geben wird. Irina Beller ist mit ihren Sprüchen ein Naturtalent. Wir begleiten die Beiden in ihrem Alltag, ähnlich wie bei «Die Geissens» auf RTL 2.

Die TV- und Radiogebühren sollen neu über die Steuern bezahlt und nicht mehr von der Billag eingetrieben werden. Ist das der richtige Schritt?
Das ist eine politische Frage. Wenn das die Mehrheit so will, habe ich nichts dagegen. Gebührengelder sind für die Schweiz wichtig. Es gäbe sonst keinen Sender, der Nachrichten in der guten Qualität des SRF produzieren könnte. Eine andere Frage wäre, wofür die Gebührengelder verwendet werden sollen. Im Moment ist alles was die SRG macht automatisch Service Public.

Was ist kein Service Public?
Wichtig ist, dass es dazu eine politische Diskussion gibt. Es lässt sich darüber streiten, ob Bereiche wie Unterhaltung darunter fallen sollen. Gehören Programme, die auch Private zeigen können und den Steuerzahler nichts kosten würden, auch dazu? Wir hatten zum Beispiel für «The Voice» auch
mitgeboten.

Sie haben vorgeschlagen, Gebührengelder programmabhängig und nicht senderabhängig auszuzahlen: Mit diesem Trick wollen Sie an den Billag-Topf.
Nein, das wäre zu offensichtlich (lacht). Mir geht es um die Diskussion. Der neue Sender TV24 könnte sich dann auch um Gebührengelder für sprachregionale News bewerben, diese News sind eigentlich auch Service Public.

Was wären Ihre Ziele?
Wir würden gerne Schweizer Filme und Serien drehen. Das ist leider mit einer Refinanzierung durch Werbeeinnahmen alleine bei weitem nicht möglich.

Neue Konkurrenz droht Ihnen mit dem US-Onlineportal Netflix, das dieses Jahr in den Schweizer Markt einsteigt. Sind Sie nervös?
Netflix ist kein direkter Konkurrent und macht uns deshalb keine Angst. Ihre anspruchsvollen Serien wie House of Cards, bei der man keine Folge verpassen darf, funktionieren vor allem im Pay-TV. Auch wir haben das Modell genau analysiert und diverse Businesspläne dazu ausgearbeitet. Deshalb kennen wir Netflix recht gut.

Sie erhalten immer wieder Kaufangebote für Ihre Sender. Medienexperten schätzen den Wert Ihrer Gruppe kürzlich auf 60 bis 80 Millionen Franken.
Mir macht mein Job weiterhin viel Spass und ich sehe noch viel Potenzial. Wir haben über die letzten zehn Jahre eine gesunde noch wachsende Sendergruppe entwickelt und konzentrieren uns auf den weiteren Ausbau. Wenn es einen strategischen Investor geben würde, der uns einige grosse Schritte voranbringen würde, würden wir uns das sicher genauer ansehen.

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