Ein Prinzipienreiter bin ich nicht. Aber es gibt schon ein paar Grundsätze, die mir heilig sind. Zum Beispiel habe ich mir geschworen, nie Mitglied der weltweiten Facebook-Gemeinde zu werden. Was ich auch jedem kundtat, der es wissen wollte.

Umso erstaunter war mein Umfeld, als es plötzlich gewahr wurde, dass ich diesem Prinzip untreu geworden war. Im Betrieb kam einer nach dem andern zu mir, um mir anerkennend auf die Schultern zu klopfen. «Hey, toll, dass du jetzt auch dabei bist.» «Nimmt mich wunder, wie du dich in der Social-Media-World bewegen wirst.» «Ich habe mich bei dir gemeldet, um dein Freund zu werden. Warum hast du nicht geantwortet?» Ich verstand nur Bahnhof.

Ich will mich nicht in der Social-Media-World bewegen, weder behende noch stolpernd. Und ich suche auch keine neuen Freunde, bin eigentlich eher daran, den Bekanntenkreis leise und sachte zu verkleinern.

Ein Blick auf den Bildschirm eines Arbeitskollegen, der bei Facebook dabei ist, zeigte aber unmissverständlich: Ich habe einen Account, es gibt sogar ein leidlich aktuelles Bild von mir und drei Freunde sind ebenfalls verzeichnet. Alles ausser einem um zehn Jahre daneben geratenen Geburtsdatum deutet auf mich als Kontoinhaber hin.

Bloss: Ich habe mich nie angemeldet und ich will auch nicht angemeldet sein.

So unverhofft ich Gemeindemitglied geworden war, so kompliziert gestaltete sich der Versuch, mich wieder zu verabschieden. Zwar fand ein Kollege einen Link, über welchen auch Drittpersonen Fälschungen tilgen können (ich hatte als Nichtmitglied ja keinen Zugriff). Tagelang tat sich nichts. Nach einer Woche erhielt ich einen Code, mit dem ich die Seite löschen konnte. Danach tat sich wiederum und bis heute nichts. Noch immer tummelt sich also ein Unbekannter unter meinem Namen in der Facebook-Gemeinde. Es ist kein gutes Gefühl.

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