Werner De Schepper, ob «NZZ am Sonntag», «Weltwoche» oder «Tages-Anzeiger» – es wurde gross berichtet über Ihre Ambitionen, Stadtpräsident von Olten zu werden. Werden Sie für die FDP nun antreten?
Nein, ich werde nicht kandidieren.

In den Medien tönte es aber anders.
Ich habe eine Lebenserfahrung gemacht: 25 Jahre lang habe ich über andere geschrieben, nun haben andere über mich geschrieben. Über das eine oder andere bin ich erschrocken, etwa, als ich im «Tages-Anzeiger» den Titel las: «De Schepper wird AZ Medien verlassen.» Das stimmt nicht, ich werde beim Unternehmen bleiben – denn hier kann ich viel bewegen!

Sie haben stark mit dem Amt geliebäugelt, da kann es Sie kaum verwundern, dass die Journalisten spekulierten.
Ich bin ein offenes Buch, das wissen die, die mich kennen. Am Rand der von mir mitorganisierten FDP-Veranstaltung «Freiheit 24» in Olten habe ich laut über eine Kandidatur nachgedacht. Das war vielleicht ein Fehler. Ich war wohl auch ein wenig flattiert, als im letzten Herbst junge Freisinnige auf mich zugekommen waren und mich fragten: Kannst du dir vorstellen, fürs Stadtpräsidium zu kandidieren? Das freute mich schon.

Warum kandidieren Sie nicht?
Alle, die mir nahe stehen, rieten mir: Machs nicht, du bist Journalist, du willst etwas bewegen – und als Politiker musst du vor allem verhindern und sparen.

Überrascht hat, dass Sie bei der FDP und nicht bei der SP andockten.
Ich mochte schon immer Politiker aus SP, CVP, FDP und auch SVP. Ich habe mich in allen Teichen bewegt. Ich bin kein Ideologe und hätte mir, nach meinem Rücktritt beim «Blick», auch eine Tätigkeit bei der SP, der CVP oder beim damaligen FDP-Bundesrat Pascal Couchepin vorstellen können.

Sie gehen mit jeder Partei ins Bett?
Ich komme aus einem CVP-Haushalt, mein bester Freund – Schriftsteller Alex Capus – ist Sozialdemokrat, und ich bin nun als Miteigentümer des Oltner Restaurants Flügelrad auch Unternehmer. Da erlebe ich, wie recht die FDP hat, wenn sie bürokratischen Unsinn anprangert. Meine Haltung ist linksliberal, das lässt sich auch aus meinen Kommentaren der letzten 25 Jahre herauslesen.

Verzichten Sie auch aus Angst, nicht gewählt zu werden?
Sicher auch. Meine Chancen, als Stadtrat gewählt zu werden, wären zwar recht gut gewesen. Beim 100-Prozent-Job Stadtpräsident hätte ich aber zwischen Stuhl und Bank fallen können. Stadtrat wiederum ist ein 30-Prozent-Job, und daneben hätte ich nicht mehr als Journalist arbeiten können.

Was hätten Sie als Stadtpräsident von Olten anders gemacht?
Ein Unternehmer sagte mir: Ich möchte in Olten ein Hochhaus bauen, aber die Stadt blockt. Hier würde ich sagen: Das ist doch toll! Tut was, versucht es! Aber Olten geht der Sache lieber aus dem Weg. Ich meine, man müsste Olten urban bewirtschaften. Auch aus dem Bahnhof könnte man viel mehr machen: Letztlich sollte Olten den Stolz ausstrahlen, die Verkehrshauptstadt der Schweiz zu sein. Warum nicht mit den Oltner Kabinenbauern CWA und den SBB für 16 Millionen eine Stadtbahn von Trimbach über Olten bis nach Wangen bauen? Stattdessen will die Stadt für 20 Millionen das Aare-Bord verbetonieren.

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