Das Feuer brennt weiterhin unter dem Dach der Verleger. Der Verband unter Führung der Tamedia interveniert mit allen politischen Mitteln gegen die Werbeallianz von Swisscom, SRG und Ringier. Als Konsequenz kehrte der Ringier-Konzern dem Verlegerverband den Rücken. Publizistisch wiederum behakeln sich die Tamedia-Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «SonntagsZeitung» mit der «Neuen Zürcher Zeitung» um die Deutungshoheit, ob die Schweiz mit der Palästinenserorganisation PLO ein Abkommen geschlossen habe. Doch hinter den Kulissen wird eifrig miteinander geschäftet. Dies zeigen die neuesten Verschiebungen von Druckaufträgen.

So hat die Tamedia die Druckaufträge für ihre «Schweizer Familie» und «Annabelle» neu an die Swissprinters vergeben, einen Zusammenschluss von NZZ-Gruppe und Ringier. Im Gegenzug werden dem Vernehmen nach mehr Exemplare des Ringier-Produkts «Blick am Abend» auf der Tamedia-Zeitungsrotation produziert. Ein Teil dieser Auflage lief bei der NZZ-Druckerei, die jedoch ihren Standort Schlieren aufgegeben hat und die «Neue Zürcher Zeitung» nun ebenfalls von der Tamedia drucken lässt.

Die Tamedia-Frauenzeitschrift «Annabelle» wurde bisher bei Stark Druck im süddeutschen Pforzheim gedruckt und in der Schweiz fertig konfektioniert. Der Drucker, der etwa auch eine Teilauflage des «Spiegels» produziert, erhält anstelle der 18-mal jährlich erscheinenden «Annabelle» mit einer Auflage von 66 000 Exemplaren den Druckauftrag für das wöchentliche «Magazin» mit einer Auflage von rund 350 000 Exemplaren, wie der Branchendienst Kleinreport berichtete.

«Das Magazin», die Beilage von «Tages-Anzeiger», «Bund», «Berner Zeitung» und «Basler Zeitung», wurde bisher von der Print Media Corporation (PMC) gedruckt. Diese hat den Auftrag mit nur einmonatiger Kündigungsfrist zurückgegeben, weil die Abgeltung nicht einmal mehr die Grenzkosten gedeckt habe, wie das Unternehmen auf Anfrage erklärt. Auf die Offerte, zu einem höheren Preis drucken zu können, sei die Tamedia nicht eingegangen. Die PMC gehört zur Walter Reist Holding und ist auch als Show-Druckerei eingerichtet, um die weltweit eingesetzte Fördertechnik der Ferag-Gruppe zu präsentieren, die zum gleichen Industriekonzern gehört. So muss die Druckerei zwar nicht gross Gewinn machen, kann sich aber auch nicht jeden Verlust leisten.

Mit der Rochade hat die PMC zudem einen Teilauftrag für die «Schweizer Familie» verloren. Doch das Unternehmen profitiert auch von der Tamedia. Weil diese auf Ende 2015 die in Winterthur übernommene Ziegler-Druckerei schloss, stand die «Weltwoche» ohne Druckerei da. Diese lässt sich nun weder von der Tamedia noch von Ringier/NZZ drucken, sondern von Walter Reist.

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