Die Aktion der «Schweizer Illustrierten» war gut gemeint, kam aber nicht überall gut an. Nachdem SVP-Politiker Toni Bortoluzzi Homosexuelle als «Fehlgeleitete» bezeichnet und gesagt hatte, sie hätten einen «Hirnlappen, der verkehrt läuft», zeichnete das Magazin prominente Homosexuelle mit einer Rose aus.

Auf einer Doppelseite zeigte es Porträt-Fotos von 33 Frauen und Männern und schrieb dazu: «Damit die Schweiz nicht ins dunkle Mittelalter zurückfällt, verschenken wir diese Woche 33 Rosen an Menschen, die dafür sorgen, dass unser Land in Vielfalt und Lebensfreude farbig bleibt.»

Die gross inszenierte Solidaritätsaktion sorgt bei unfreiwillig für den Artikel ausgewählten Protagonisten zum Teil für Kopfschütteln: «Die Art und Weise des Vorgehens finde ich persönlich nicht gut», sagt etwa der schwule Basler Polizeikommandant Gerhard Lips, der am Dienstag von der Redaktion eine Rose und ein Belegexemplar zugestellt erhalten hatte. «Gewusst habe ich vorher nichts davon.»

Auch der Zürcher FDP-Nationalrat und Bankdirektor Hans-Peter Portmann ist irritiert, denn er sucht mit seiner Homosexualität überhaupt nicht die Öffentlichkeit. «Ich bin ein zurückhaltender Typ, und mein Privatleben möchte ich schützen», sagt Portmann am Telefon. «Warum man mich einfach so ohne eine Anfrage im Artikel abbildete und es aussehen lässt, als würde ich mit 32 weiteren Personen nun gegen Toni Bortoluzzi ankämpfen, kann ich nicht verstehen. Die Journalisten hätten mich zumindest kontaktieren müssen.» Pikant ist vor allem die Tatsache, dass der Unternehmer Thomas Sterchi (Gründer von jobs.ch), der das Rampenlicht scheut, im Artikel öffentlich zwangsgeoutet wurde.

Der im Magazin ebenfalls abgebildete Zürcher SP-Nationalrat Martin Naef findet die Aktion zwar sympathisch: «Ich bin aber entschieden dagegen, dass Menschen gegen ihr Einverständnis öffentlich geoutet werden.» «Schweizer Illustrierte»-Chefredaktor Stefan Regez sagt dazu: «Wir haben grundsätzlich keine Prominenten zwangsgeoutet.» Man habe bewusst in der Auswahl darauf geachtet, dass es sich um Prominente handle, «von denen man weiss, dass sie homosexuell sind, und die in der Regel auch schon darüber geredet haben». Dies stimmt im Fall von Thomas Sterchi jedoch nicht: Über den Unternehmer findet sich in der Mediendatenbank SMD bisher kein Artikel, und auch über Google stösst man auf keinen Eintrag, in dem sich Sterchi öffentlich zur Homosexualität geäussert hätte.

Auf Anfrage wollte Thomas Sterchi dazu nichts sagen. Für Chefredaktor Stefan Regez gibt es «keinen Grund», sich bei den im Artikel erwähnten Promis zu entschuldigen, und es seien bis jetzt keine Reklamationen eingegangen. «Wir haben bewusst nicht nachgefragt, weil wir das bei der Vergabe von Rose und Kaktus nie tun, da sonst der Überraschungseffekt wegfällt.»

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