Der Mann, der äusserlich an Otto Waalkes erinnert, hat Grosses vor. «Wir alle haben den Wunsch nach einer 1besseren Welt – also tun wirs.» So umschreibt Norbert Brakenwagen auf der Internetseite von TimeToDo.ch seine Philosophie. Der 55-jährige Deutsche ist eine Mischung aus Verpackungskünstler, billigem Jakob und Phrasendrescher. Er gibt vor, Antworten auf die ganz wichtigen Fragen zu haben: «Wer sind wir? Wozu sind wir hier? Was sind wir?»

Darüber sprach Brakenwagen auch in seiner Fernsehsendung auf Schweiz 5 (früher: U1) mit Gästen aus dem esoterischen Grenzbereich. Ein Ufologe gehörte genauso dazu wie ein Medium oder ein Hellseher. Nach einer finanziellen Zwangspause will Brakenwagen spätestens im neuen Jahr wieder täglich ab 20 Uhr auf Sendung gehen, wie er bestätigt. «Vielleicht schon im Dezember», ergänzt Schweiz-5-Geschäftsführer Peter Heeb. Schliesslich bekomme sein Moderator «mit Abstand am meisten Fanpost».

Nur wenn man ihn auf seine Vergangenheit anspricht, wird der redegewandte Esoteriker plötzlich einsilbig. «Dazu möchte ich nichts sagen», so Brakenwagen. Wer nachfragt, der riskiert, dass der ansonsten dauerlächelnde Moderator die Contenance verliert und in den Hörer schreit: «Was soll denn das jetzt?»

Das fragen sich die Investoren der liquidierten Zuger Firmen Nicstic AG und Topcap Management heute auch noch, Sie haben in einem komplizierten Firmengeflecht insgesamt rund 300 Millionen Franken verloren. Geködert wurden die Anleger mit einer angeblichen rauchfreien Zigarette, die bis heute ein fauler Zauber geblieben ist. Die damalige Eidgenössische Bankenkommission (EBK, heute: Finma) hatte den Wertpapierhändlern vor vier Jahren ihre Tätigkeit untersagt.

Zu der Truppe, welche die Nicstic-Aktie verkaufte, gehörte auch Brakenwagen. Das zeigt das interne Protokoll eines Meetings in Rotkreuz ZG, das dem «Sonntag» vorliegt. Damit konfrontiert, stellt der Ex-Nicstic-Gefolgsmann seine Tätigkeit plötzlich nicht mehr in Abrede und wartet mit einer abenteuerlichen These auf: «Ich war ein Maulwurf und in dem Unternehmen als privater Ermittler für Geschädigtenvertreter tätig.» Wer genau sein Auftraggeber gewesen sein soll, will er nicht preisgeben.

Tatsache ist, dass Ermittlungsbehörden im In- und Ausland weiterhin rund 20 Personen aus dem Umfeld der ehemaligen Nicstic AG im Visier haben – wegen illegalen Aktienhandels. Dies berichtete die «Neue Luzerner Zeitung» im vergangenen März.

Der Moderator mit der schillernden Vergangenheit hat unterdessen ein zweites, nicht weniger merkwürdiges Standbein. Als Mitinhaber der Vertreiberfirma H20 Swiss AG verkauft er ein «Wunderwasser» – den halben Liter für den stolzen Preis von 81 Franken. Der stark basische Trank namens H203 hatte vor drei Jahren einen prominenten Werbeträger: Beat Breu. «H203 dreht die biologische Uhr um 20 Jahre zurück», verkündete die Radlegende damals öffentlich und musste dafür viel Spott über sich ergehen lassen.

Der TV-Sender Tele Züri liess das Gebräu von einem Labor testen. Der erschreckende Befund: H203 hat fast denselben pH-Wert wie Natronlauge, die als Putzmittel verwendet wird. «Ich trinke das Wasser jeden Tag und bin kerngesund», sagt Brakenwagen und spielt den empörten Geschäftsmann.

Seine Sendung «TimeToDo» war bisher nicht Gegenstand von Abklärungen beim Bundesamt für Kommunikation oder bei der unabhängigen Beschwerdeinstanz (UBI). Dafür andere Sendeinhalte von Schweiz 5, wie das Magazin «Schweizerzeit» des abgewählten SVP-Nationalrats Ulrich Schlüer oder die gebührenpflichtigen Beratungssendungen von Hellseher Mike Shiva.

Neben Schlüer und Shiva will nun auch Brakenwagen wieder auf Sendung gehen. «Es handelt sich hier um ein Geschäftsmodell, das sich die Nöte der Menschen zunutze macht», sagt Sektenexperte Georg Otto Schmid. Exponenten wie Brakenwagen würden aufnehmen, «was in der Esoterikszene gerade trendy und umsatzverheissend ist», so Schmid. Dieses Vorgehen ist für ihn «ethisch fragwürdig». Damit schliesst sich der Kreis zur Anti-Rauch-Zigarette und zum «Wundertrank».

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