Der erste Hattrick eines Schweizers an einer WM war alles andere als ein TV-Ereignis – wenn überhaupt, war es eine Sternstunde des Radios. Als Seppe Hügi 1954 drei Tore gegen Österreich erzielte, besassen nur ein paar tausend Schweizer einen Fernseher. Die meisten Fans rotteten sich vor einem Radio zusammen und lauschten den wortgewaltigen Ausführungen des Kommentators.

Beim zweiten Hattrick war alles anders: 1,5 Millionen Schweizer sahen diese Woche Xherdan Shaqiris Dreierpack gegen Honduras. Unser «Zauberzwerg» sorgte damit für eine Quote, die in den vergangenen acht Jahren nur ein einziges Mal übertroffen wurde – von der «Zunge der Nation». Es war im Achtelfinal der WM 2006. 1,7 Millionen Zuschauer fieberten mit, als Marco Strellers Zunge vor dem Elfmeter so schnell hin und her flatterte, dass selbst ein Kolibri eifersüchtig geworden wäre. Streller nahm Anlauf – und verschoss. Die Nati schied aus, ein Land trauerte. Seither kam keine Übertragung mehr über die 1,5-Millionen-Marke.

Das könnte sich kommenden Dienstag ändern. Es ist das erste K.-o.-Spiel der Schweizer Nati an einem grossen Turnier seit acht Jahren – und der Gegner ist deutlich attraktiver als 2006. Ottmar Hitzfelds Elf muss gegen den zweifachen Weltmeister Argentinien samt ihres vierfachen Weltfussballers Lionel Messi ran. Eine einmalige Konstellation. Mit den zusätzlichen 450 000 Zuschauern, die in der Westschweiz dem Fussball verfallen sind, könnte sogar die Zwei-Millionen-Marke übertroffen werden.

«Das Spiel dürfte wieder ein Strassenfeger werden», sagt SRF-Sprecherin Caroline Kalberer. Allerdings könnte das beliebte Public Viewing eine Rekord-Quote verhindern. Das war bei der WM vor acht Jahren noch anders. Weil die Fifa kostenlose öffentliche Übertragungen erst 2005 offiziell bewilligte, war der Public-Viewing-Boom noch nicht von Deutschland in die Schweiz geschwappt.

Heute schauen sich regelmässig Zehntausende Fussballfans die Spiele der Nati gemeinsam auf Grossleinwänden an. Diese Zuschauer werden bei der Messung nicht erfasst. Doch sollte die Nati den Favoriten tatsächlich aus dem Turnier schiessen, dürfte einem neuen Rekord nichts mehr im Wege stehen – spätestens im Viertelfinal. Der würde dann am kommenden Samstag um 18 Uhr gegen Belgien oder die USA stattfinden.

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