Der Gastgeber war gerührt. Es war die Nacht, in der er 66 Jahre alt wurde – und es war der Tag, an dem die Eingabefrist für Kaufangebote von Tele Züri und Radio 24 an Tamedia ablief. Roger Schawinski nahm am Freitag spätabends im Zürcher Club Plazda ein «Happy Birthday»-Ständchen aus über 100 Kehlen entgegen. Seine singenden Gäste starteten ihre Karriere bei Tele Züri. Viele stehen heute im Sold des Schweizer Fernsehens: Reto Brennwald, Urs Leuthard oder Eva Wannenmacher.

Doch den TV- und Radio-Machern – von Schawinski aus Anlass von «10 Jahre Privat-TV» eingeladen – wurde eine Illusion genommen. Ihr Förderer wird kein Comeback mit Tele Züri wagen: «Der Rückkauf ist kein Thema», sagte Schawinski an der Party. Was er nicht sagte: Der Rückkauf von Radio 24 ist sehr wohl ein Thema. Doch darüber spricht er nicht. Nach Informationen des «Sonntags» schwebt Schawinski vor, an einem Standort zwei Radios zu betreiben: Ra-
dio 1 (Slogan: «Nur für Erwachsene») und Radio 24 für ein jüngeres Publikum.

Recherchen zeigen weiter, dass Industrie-Investor Giorgio Behr im TV-Poker mitspielt. Erstmals nimmt der Präsident des Schweizer Sportfernsehens dazu Stellung: «Es überrascht mich nicht, dass man mich nennt, sind wird doch Mieter bei Tele Züri.» Die Aussage will Behr weder als Dementi noch als Bestätigung für ein Gebot verstanden haben. Er war zuletzt wegen Verletzungen der Offenlegungspflicht bei einer Beteiligung am Industriekonzern Sia Abrasives in die Schlagzeilen geraten. Dem Verleger der Gratiszeitung «Schaffhauser Bock» werden TV-Ambitionen nachgesagt. Hinweise, auch Christoph Blocher sei an Bord, wollte er nicht kommentieren.

Mit Behr im Rennen sind auch der Ringier-Verlag, der Privatsender 3+ und der Filmproduzent Bernhard Burgener. Er hat mit Ex-«BaZ»-Verleger Martin Wagner 20 bis 25 Millionen Franken geboten. Ein Entscheid über die neuen Besitzverhältnisse soll Ende Jahr fallen.

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