Der Posten des SRG-Verwaltungsratspräsidenten ist lukrativ: Das Halbamt wird mit 135000 Franken pro Jahr honoriert; hinzu kommt eine Spesenentschädigung von 12000 Franken. Der Nominationsausschuss, der sich aus Mitgliedern des SRG-Verwaltungsrates zusammensetzt, war gleichwohl monatelang auf der Suche nach einem Nachfolger von Jean-Bernard Münch, dem aktuellen Präsidenten.

Parallel dazu suchte auch Martin E. Heuberger. Der Partner von Amrop Executive Search AG war schon bei der Nachfolge-Regelung für Armin Walpen (Ex-SRG-Generaldirektor) und bei der Evaluation des ersten SRF-Superdirektors dabei. Der Headhunter ist für horrende Entschädigungsforderungen bekannt. Wie viel sein Mandat die SRG gekostet hat, wollten weder Heuberger noch Münch verraten. Auch die Anzahl Mannstunden, die für die Suche aufgewendet wurden, behandeln die beiden als Geheimnis.

Wie auch immer: Es liegt eine Kandidatenliste vor. Am kommenden Dienstag wird der SRG-Verwaltungsrat die Personalie behandeln und sich für einen Favoriten entscheiden. Recherchen des «Sonntag» haben ergeben, dass der neue Präsident entweder aus dem CVP-Umfeld von Medienministerin Doris Leuthard oder aber aus dem Kommunikations-Umfeld des SRG-Generaldirektors Roger de Weck kommen wird.

CVP-Filz: Die SRG ist sei Jahrzehnten eine CVP-Pfründe. Die Partei hat mehrere Generaldirektoren gestellt. Und versucht nun, über Uvek-Vorsteherin Leuthard Einfluss auf die Präsidentenwahl zu nehmen. Es sind mehrere hochkarätige Partei-Figuren im Gespräch gewesen, darunter offenbar auch der Walliser Staatsrat Jean-Michel Cina. Oder Ex-Bundesrätin Ruth Metzler. Als Letzter übrig geblieben scheint Raymond Loretan. Der ehemalige CVP-Generalsekretär arbeitet in Genf als Berater und gilt als Leuthard-Vertrauter.

Zum CVP-Filz gehört auch Viktor Baumeler. Ob der Präsident der SRG Deutschschweiz und ehemalige Luzerner Staatsschreiber vom Verwaltungsrat, dem er selber angehört, auf den Schild gehoben wird, ist indes eher fraglich. Was an seinen Wahlchancen aber nichts ändert. Denn Baumeler scheint bei der Wahlbehörde, der SRG-Delegiertenversammlung, einen gewissen Rückhalt zu haben.

De-Weck-Filz: Mindestens so potent wie die CVP-Seilschaft präsentiert sich die Medien-Connection. Hier tauchen Namen auf, die ihrerseits als Kandidaten für den Posten des Generaldirektors gehandelt wurden. Darunter mit einer gewissen Beständigkeit auch Tobias Trevisan. Der heutige Geschäftsführer der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» hat eine Verlags-Vergangenheit bei Ringier, Tamedia und NZZ. Als Roger de Weck Chefredaktor beim «Tages-Anzeiger» war, war Trevisan dessen ebenbürtiger Partner im kommerziellen Bereich. Ein alter De-Weck-Bekannter aus dem einflussreichen Club Helvétique ist Urs W. Studer. Der amtierende Stadtpräsident von Luzern wird im kommenden Frühling nicht mehr zu den Kommunalwahlen antreten.

Neben dem Präsidenten haben die Delegierten am 22. September auch ein einfaches Mitglied des SRG-Verwaltungsrates zu wählen. Die SP-Vertreterin Elisabeth Veya soll offenbar nicht durch eine «linke» Kandidatin ersetzt werden. Dem Vernehmen nach hat mit Isabelle Chassot auch hier eine CVP-Vertreterin die Nase vorn. Die Freiburger Staatsrätin, Präsidentin der Erziehungsdirektoren-Konferenz und Polit-Schwergewicht, galt vor einem Jahr schon als mögliche Kandidatin für die Walpen-Nachfolge. Eher dem De-Weck-Lager zuzurechnen ist Myrtha Welti, ehemalige (liberale) SVP-Generalsekretärin – und Mitglied des Club Helvétique.

Offenbar sind auch hier Vertreter aus der Kommunikationsbranche im Spiel. Jedenfalls scheint sich Regula Fecker, die Werberin des Jahres 2010, für den VR-Posten zu interessieren. Ähnliches wird Nadine Borter nachgesagt, Chefin der Agentur Contexta (und Werberin des Jahres 2011). Weder Borter noch Fecker sind klassische «Linke». Was die SP am Wahltag dazu führen könnte, mit einem Überraschungscoup aufzuwarten. Unter den Delegierten gibt es mehrere SP-Mitglieder. Nicht ausgeschlossen, dass beispielsweise Andreas Schefer, der ebenfalls aus der Kommunikationsbranche kommt, von seinen Kollegen gewählt wird.

Im Gegensatz zur Wahl des SRG-Generaldirektors, der von der Delegiertenversammlung nur bestätigt werden konnte, liegt die Wahl des Präsidenten vollständig in den Händen der 42 SRG-Delegierten. Sie brauchen sich nicht an den Vorschlag des Verwaltungsrates zu halten. Überraschungen sind bis zur letzten Minute möglich.

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