Es sind hektische Zeiten für Ex-Verleger und FDP-Nationalratskandidat Martin Wagner. Zuerst der Machtkampf um die «Basler Zeitung», gefolgt von der Abrechnung mit Christoph Blocher im «Sonntag». Dann wird seine Escor-Gruppe bei der Casino-Lizenz für Zürich nicht berücksichtigt – und jetzt steigen er und sein Geschäftspartner Bernhard Burgener (Constantin Film) aus dem Rennen um Tele Züri aus. Wagner sagt: «Wir haben einen realistischen Marktpreis geboten. Tamedia teilte uns jedoch mit, dass das Angebot bei weitem zu tief sei. Wir hätten nachbessern müssen.» Doch darauf verzichteten sie.

Recherchen zeigen, dass ihr Angebot bei maximal 20 Millionen Franken lag. Wagner bestätigt lediglich, dass sie einen Werbemarktpool Zürich/Basel, eine exklusive Zusammenarbeit mit den Tamedia-Medien und eine Implementierung von Social Gaming wie Pokermania angeboten hätten. Er sagt: «Das Verhalten von Tamedia zeigt, dass es dem Medienkonzern nicht um ein glaubwürdiges kommerzielles Konzept geht, sondern darum, einen möglichst hohen Erlös zu erzielen.»

Im TV- und Radio-Poker erging es Wagner wie den anderen Interessenten auch. Tamedia-CEO Martin Kall lobte sie Anfang Woche zunächst einzeln für ihre Präsentation, um sofort nachzuschiessen: «Ihr Angebot ist eindeutig zu tief.»

Ringier bot in der ersten Runde für Tele Züri maximal 15 Millionen Franken, wie mehrere Quellen übereinstimmend berichten. Diese Summe kommt nicht annähernd an Kalls Vorstellungen heran. Es müsse die Zahl 3 vorne dran sein, beschied der Tamedia-Manager die Interessenten. Das ist Ringier zu teuer. Der Verlag verabschiedet sich aus dem Rennen und will jetzt sogar die TV-Strategie anpassen.

«Für Tele Züri werden vermutlich absurd hohe zweistellige Millionenbeträge geboten, die auf keinem realistischen Finanzierungsmodell beruhen», sagt Wagner. Bei einem der Bieter dürfte es sich um das Schweizer Sportfernsehen handeln. Der Sender von Industrie-Investor Giorgio Behr und Unternehmer Peter Weigelt ist bereits bei Tele Züri auf dem Steinfelsareal eingemietet.

Der TV-Sender 3+ ist ebenfalls in der zweiten Runde dabei. Geschäftsführer Dominik Kaiser mag sich offiziell nicht äussern: «Ich kann das weder bestätigen noch dementieren.» Er verweist darauf, sich wie alle Interessenten schriftlich verpflichtet zu haben, nichts zu sagen.

Öfters zu hören ist neu der Name von Peter Wanner, in dessen AZ Medien auch «Der Sonntag» erscheint. Der Aargauer Verleger hält sich bedeckt: «Kein Kommentar.»

Medienpionier und Radio-1-Chef Roger Schawinski interessiert sich einzig für sein früheres Radio 24. Sein Konzept, von einem Standort aus zwei Sender für ein jüngeres und ein älteres Publikum anzubieten, will er nicht kommentieren.

Hinweise auf ein Management Buy-out von Radio 24 durch die jetzige Programmleiterin Karin Müller dementiert diese: «Das stimmt überhaupt nicht.»

Bleibt ein dubioser Unbekannter übrig, wenn es ihn denn wirklich gibt. Ein Investor aus Kasachstan biete über einen Schweizer Strohmann mit, heisst es in den Bieterkreisen. Dazu gebe es nichts zu sagen, meint Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer. «Wir kommentieren weder Namen von einzelnen Interessenten noch Ergebnisse von Zwischenetappen.»

Die heisse Phase beginnt ab Ende Juli. Bis dann müssen die verbliebenen Kaufinteressenten ein verbindliches Angebot abgeben. Es ist zu bezweifeln, dass Tamedia damit durchkommt, einen möglichst hohen Kaufpreis zu erzielen, aber gleichzeitig öffentlich verkündet, der Online-Markt sei die Zukunft.

Für Medienanwalt Wagner besteht das Risiko, «dass der Sender in politische Hände fällt». Ob Unternehmer und SVP-Vizepräsident Christoph Blocher bei Behr/Weigelt an Bord ist, bleibt unklar. Wagner wagt eine Prognose, die von mehreren Involvierten geteilt wird: «Ich gehe davon aus, dass das Paket zerschlagen und einzeln verkauft wird.»

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