Dass es im Gebälk des Südostschweizer Medienverbundes kracht, ist ein offenes Geheimnis. Von gebrochenen Verträgen, Winkelzügen und selbstherrlichem Verhalten ist die Rede. Verklausuliert bestätigte der Verleger der «Südostschweiz» in einem Interview mit dem eigenen Chefredaktor das drohende Auseinanderbrechen der Allianz. Auf die Frage, ob die Gefahr bestehe, dass der eine oder andere Titel aussteigt, sagte Hanspeter Lebrument Mitte Juni: «Die Affilierten gehen, wenn sie ein besseres Angebot erhalten.»

Tatsache ist: Der Präsident der Schweizer Zeitungsverleger ist in einem Schiedsverfahren unterlegen, das die kleinen Partner angestrengt hatten. Darauf reichte er eine Beschwerde beim Bundesgericht ein, die er aber nach einem ausgehandelten Kompromiss aller Beteiligten zurückzog. Lebrument sieht sich dennoch nicht als Verlierer. Intern spricht er von einer «guten Lösung», die man gefunden habe.

Offiziell will niemand bestätigen, was sich hinter den Kulissen abgespielt hat. Der Grund: Die Auseinandersetzung wurde im Rahmen eines Schiedsgerichtsverfahrens geführt, das den beteiligten Parteien Stillschweigen auferlegt. Die rechtliche Situation ist offenbar so delikat, dass gemachte Aussagen unter Klagedrohungen bestritten und Zitate zurückgezogen wurden. Auch der Anzeigenvermittler Publicitas, der seit langem mit Lebrument im Clinch liegt, stellte zunächst eine Stellungnahme in Aussicht, schrieb dann aber gestern Samstag: «Leider lässt die rechtliche Situation doch keinen Kommentar zu.»

Im Südostschweiz-Verbund eingebunden sind fünf Kleinverleger von Lokalzeitungen vom «Boten der Urschweiz» im Kanton Schwyz über die Vaduzer «Volksstimme», Theiler Druck AG in Wollerau («March-Anzeiger» und «Höfner Volksblatt»), der «Sarganserländer» in Mels sowie das Medienhaus Buchs im St. Galler Rheintal mit der Tageszeitung «Werdenberger & Obertoggenburger».

Die Allianz wird dominiert von Hanspeter Lebrument, dem Besitzer, der «Südostschweiz», mit eigenen Ausgaben für Graubünden, Glarus und den Sankt Galler Bezirk Gaster See (Linthgebiet und Toggenburg). Für ihn ist das der «Kernraum» seines Reichs.

«Die kleinen Partner fühlen sich von Lebrument über den Tisch gezogen und suchen deshalb nach Alternativen», bestätigt ein Insider die Konsequenzen des ganzen Krachs. In der rechtlichen Auseinandersetzung haben sie immerhin erreicht, dass die Vertragsdauer um zwei Jahre auf Ende 2013 verkürzt wurde und sie einen höheren Anteil an den Anzeigenerträgen erhalten.

«Es wurde aber so viel Porzellan zerschlagen», sagt ein mit den Verhandlungen Vertrauter, «dass nach 15 Jahren die Partnerschaft auseinanderbrechen wird». Im Vordergrund stehe ein Wechsel zum «St. Galler Tagblatt», das zur NZZ-Gruppe gehört. Ein anderer sieht es weniger drastisch: «Alle haben Zeit gewonnen, nochmals über die Bücher zu gehen.» Wegen Ferienabwesenheit des Managements konnte die NZZ-Sprecherin keinen Kommentar abgeben.

Trotz der Differenzen rechnet Lebrument nicht mit einem Auseinanderbrechen der Allianz. Sein Pfand ist das gemeinsame Druckzentrum in Haag. In dieser AG hält jeder der fünf Partner 20 Prozent. Doch dieser Vertrag läuft noch bis 2015. Wenn jemand vorher aus der Firma aussteigen möchte, muss er sich auskaufen beziehungsweise Realersatz an Druckaufträgen bringen.

Der Churer Verleger spricht von einer «zufriedenstellenden Lösung», die als Folge der juristischen Auseinandersetzung mit dem Anzeigenvermarkter Publicitas gefunden worden sei. Von einer «Entschädigung in Millionenhöhe», die er habe leisten müssen, will er nichts wissen. Lebrument räumt aber ein: «Es ist Geld geflossen.» Dies betreffe allerdings nur den Erwerb von Aktien und den Verzicht von Publicitas auf die Exklusivvermarktung nationaler Zeitungswerbung für die «Südostschweiz».

Lebrument war der erste Schweizer Verleger, der sich offen gegen die Publicitas als exklusiver Anzeigenvermarkter auflehnte. Diese zog sich 2006 aus Graubünden ganz zurück, als die «Südostschweiz» für ihre Sonntagausgabe die Werbung im Alleingang akquirierte.

Nun wird die Zusammenarbeit neu geregelt. Um wieder «die Hoheit über die Werbeeinnahmen» zu erlangen, hat Lebrument den 50%-Anteil an der gemeinsamen Werbegesellschaft «Südostschweiz Publicitas AG» übernommen. Im Gegenzug kann aber die Publicitas wieder als Vermittlerin für nationale und lokale Werbung tätig sein. Stolz sagt der Churer Verleger: «Erstmals seit 1926 wird der gesamte Werbemarkt wieder vom eigenen Verlag betreut und geführt.»

Doch bereits zeichnet sich ein neuer Streit ab, da Lebrument keinen Grund dafür sieht, auf den gut eingeführten Namen zu verzichten. Demgegenüber liegt es auf der Hand, dass die Publicitas aus dem Joint-Venture-Namen gestrichen werden möchte.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!