VON LEONID LEIVA

Hinter dichten Wolken in die Geburtsstätte von Sternen zu blicken oder ein Pendant der Erde zu fotografieren – solche Ziele beflügeln die moderne Astronomie. Doch um tiefere Einblicke in die Weiten des Alls zu erhalten, sind immer grössere Fernrohre notwendig. Am 24. Juli wurde in Spanien das grösste Spiegelteleskop der Welt in Betrieb genommen.

Rund 2400 Meter über dem Meer erhebt sich der erloschene Vulkankegel des Roque de los Muchachos auf der Kanareninsel La Palma. Einst schoss hier Feuer aus dem Erdinnern hoch, heute sitzen ein Dutzend nach fernem Licht trachtende Teleskope mit offenen Augen auf dem Berghang. Das über den Wolken errichtete Observatorium ist Teil der Europäischen Nordsternwarte. Mehr als 2000 Astronomen aus aller Welt reisen Jahr für Jahr zu diesem Mekka der Himmelsforschung.

In Zukunft dürfte die Anzahl der forschenden Pilger noch wachsen – dank den Rekordwerten des neuen Riesenteleskops. Das Gran Telescopio Canarias (GTC), so der vollmundige Name der neuen Himmels-Suchmaschine, macht seinem Titel alle Ehre. Mit 10,4 Meter Durchmesser sammelt sein Hauptspiegel so viel Licht ein wie 4 Millionen menschliche Pupillen.

Weil ein derart riesiges Auge kaum aus einem Guss herzustellen ist, besteht der Teleskopspiegel aus 36 sechseckigen Segmenten – jedes davon 470 Kilogramm schwer, was die spanischen Betreiber gern mit dem Gewicht eines Kampfstiers vergleichen.

Doch statt mit dicken Hörnern beeindruckt der astronomische Koloss mit einem zentimeterdünnen Keramikglas, das den Vorzug bietet, der Hitze ohne merkliche Verformungen standzuhalten. Das gewährleistet eine fast verzerrungsfreie Bildqualität.

Und wenn der Spiegel sich dann doch geringfügig verformt, wird er von elektronischen Stellgliedern in die richtige Form gebracht. Stolze 105 Millionen Euro liess sich der spanische Staat, der das Projekt zu 90 Prozent trägt, sein Prestige-Teleskop kosten. So war es denn auch kein Wunder, dass der offiziellen Einweihung die königliche Familie vorstand.

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