Die fiktive Familie Berger besteht aus Lisa und Theo Berger und den beiden Kindern Nina (12) und Carl (14). Die Familie wohnt in einer 4-Zimmer-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Basel zur Miete. Lisa Berger arbeitet Teilzeit als Lehrerin in Basel, ihr Mann in einem 80-Prozent-Pensum als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Zürich. Er fährt vielmal pro Woche mit dem Zug hin und zurück. Die Bergers versuchen möglichst umweltbewusst zu leben.

Die Schweizerische Agentur für Energieeffizienz (Safe) hat für den «Sonntag» ausgerechnet, wie viel die vierköpfige Familie an Energie verbraucht und mit kleinen Tricks einsparen kann. Wir begleiten Bergers durch einen normalen Tag: Punkt 6 Uhr ertönt im Elternschlafzimmer der Radiowecker. Es handelt sich dabei um ein neueres Modell, das im Stand-by-Modus nur 1 Watt braucht, rund zehnmal weniger als das Vorgängermodell. Nach den 6-Uhr-Nachrichten knipst Lisa Berger das LED-Lämpchen an, das auf einem Stapel Bücher steht. Das Lämpchen gibt so viel Licht wie eine 20-Watt-Glühbirne, verbraucht aber nur 3 Watt.

Das Paar macht dann auch Licht in Flur, Badezimmer und Küche. Alle Glühbirnen in der Wohnung wurden durch Energiesparlampen ersetzt. Das Licht, wissen sie, gehört zu den grössten Stromfressern. Dessen Anteil am Stromverbrauch im durchschnittlichen Haushalt beträgt knapp 20 Prozent. Mit den neuen Lampen können die Bergers bis zu 80 Prozent Strom einsparen. Sie haben bewusst die Lichtfarbe «Warmweiss» und «Extrawarmweiss» gewählt, so bemerkt man den Unterschied zu den Glühbirnen kaum.

Der Vater muss zuerst aus dem Haus, deshalb darf er auch als Erster das Badezimmer nutzen. Er hat sich angewöhnt, den Rasierapparat nicht täglich aufzuladen, sondern erst, wenn der Akku fast leer ist. Das Aufladegerät für den Rasierapparat ist die meiste Zeit ausgesteckt. Somit spart er 26 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr. Damit kann er seinen sparsamen Multifunktionsdrucker drei Jahre lang betreiben.

Nach der Rasur geht der Vater unter die Dusche. Zwar steht im Badezimmer auch eine Badewanne, doch diese wird nur selten genutzt. Ein Vollbad braucht drei- bis viermal so viel Warmwasser wie eine Dusche.

Inzwischen bereitet Lisa Berger das Frühstück zu. Früher gab es hin und wieder warme Brötchen. Das ist schon lang tabu. Der Backofen mit einer Leistung von rund 3000 Watt verschlingt für das einmalige Aufbacken von Brötchen 0,5 kWh. Mit der gleichen Menge Energie wird Theo Berger später im Büro sechs Stunden am Computer arbeiten können.

Es gibt Brot vom Beck. Mutter und Tochter nehmen je eine Tasse Kräutertee. Das Wasser wird im Wasserkocher erhitzt. Das braucht 50 Prozent weniger Strom, als wenn es auf der Glaskeramikplatte zum Kochen gebracht würde. Der Vater braucht einen Kaffee. Früher machte er ihn sich mit der Espressokanne auf dem Herd. Dabei wurde viel Energie verpufft, weil die Platte grösser ist als die Kanne. Heute hat die Familie eine Kaffeemaschine. Nach dem Gebrauch wird die Maschine ausgeschaltet, damit reduziert sich der Stromverbrauch um 50 Prozent, weil die Kaffeemaschine nicht ständig auf dem Warmhaltemodus ist. Sohn Carl braucht eine warme Milch. Lisa Berger erhitzt sie auf der Herdplatte nur kurz auf der höchsten Stufe, schaltet dann zurück, setzt den Deckel auf die Pfanne. Hätte sie die Milch zum Kochen gebracht, hätte sie mehr Strom benötigt.

Lisa Berger weckt um halb sieben die Kinder. Aus dem Kühlschrank hat sie bereits Butter, Konfitüre, Joghurt und Milch auf den Tisch gestellt. Der Kühlschrank ist ganz neu: Der Vermieter hat der Familie ein Gerät der besten Energieklasse A++ bezahlt. Damit kann die Familie pro Jahr 40 Prozent Strom (rund 20 Franken pro Jahr) einsparen.

Kurz vor sieben Uhr verlässt Theo Berger das Haus. Die Zugfahrt von Basel nach Zürich dauert knapp eine Stunde. Die SBB beziehen den Strom zu 75 Prozent aus Wasserkraft und zu 25 Prozent aus AKW. Hin- und Rückfahrt entspricht einem Energieverbrauch von gut 3 Liter Benzin. Mit dem Auto wären es rund 16 Liter. Auf dem Weg nach Zürich arbeitet Theodor Berger schon am Laptop. Er hat den Akku zu Hause geladen – mit 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien, den die Industriellen Werke Basel (IWB) liefern. Das Laptop verbraucht zudem rund halb so viel Energie wie ein Tischcomputer. Am Computer im Büro hat Berger die stromsparende Energieoption aktiviert: Der Computer schaltet in den Ruhemodus, wenn Berger nicht daran arbeitet.

Inzwischen hat Tochter Nina geduscht und sich die Haare gewaschen. Sie braucht lange, um sich ihre hüftlangen Haare zu föhnen, knapp eine halbe Stunde. Dafür verbraucht sie 1 kWh, würde sie sich jeden Tag die Haare föhnen, würde dies im Jahr mit 365 kWh zu Buche schlagen. So viel Strom braucht der A++-Kühlschrank in zwei Jahren.

Als alle aus dem Haus sind, macht Lisa Berger den Haushalt. Sie gibt erst am Nachmittag Unterricht. Sie räumt das Frühstücksgeschirr in die Abwaschmaschine. Das Modell ist nicht das neuste, deshalb verschlingt es 300 kWh pro Jahr. Eine Abwaschmaschine der besten Energieklasse AAA würde 100 kWh weniger verbrauchen. Danach muss Lisa Berger einen Berg Kleider waschen. Sie wäscht das meiste bei 30 und 40 Grad. Die Wäsche wird trotzdem sauber. Nur sehr stark verschmutzte Kleider wäscht sie bei 60 Grad, was fast 80 Prozent mehr Strom als die 40-Grad-Wäsche benötigt.

Den Tumbler, der in der Waschküche steht, braucht sie nicht. Ein herkömmlicher Tumbler verbraucht viel Energie: 3 bis 3,5 kWh pro Charge ( 5 Kilogramm). Lisa Berger hängt die Wäsche im Trocknungsraum an die Leine. Vor der Zubereitung des Mittagessens muss sie noch die Wohnung staubsaugen: Der Staubsauger hat eine Leistung von 1000 Watt. Die Saugleistung eines 2000-Watt-Geräts ist kaum besser, verbraucht aber doppelt so viel Energie.

Zum Mittagessen gibt es heute Spaghetti und Salat. Beim Aufkochen des Wassers ist der Deckel auf der Pfanne, beim Weichkochen der Spaghetti ebenfalls, allerdings lässt Lisa Berger einen Spalt offen. Wer konsequent den Deckel auf die Pfanne setzt, spart so 30 Prozent Strom ein. Für den Nachmittag bereitet Lisa Berger eine Fruchtwähe vor. Den Backofen vorzuheizen ist nicht nötig, obwohl dies die meisten Kochbücher empfehlen. Vorheizen ist nur bei heiklen Gebäcken wie Blätterteiggebäck oder Guezli geboten. Lisa Berger lässt die Wähe einfach etwas länger im Ofen, schaltet diesen aber 5 bis 10 Minuten vor Backzeit aus, um die Restwärme zu nutzen. Damit verbraucht sie 10 Prozent weniger Strom.

Nach dem Mittagessen darf Carl Computergames spielen, die Tochter hört Musik in ihrem Zimmer, wo eine kleine Hi-Fi-Anlage steht. Carl verbraucht deutlich mehr Energie: Würde er fünf Stunden an seinem Computer mit 200 Watt spielen, würde er 1 kWh verbrauchen (also doppelt so viel wie sein Vater in sechs Stunden am PC im Büro). Seine Schwester verbraucht für eine Stunde Musikhören zehnmal weniger Energie (10 Watt). Die Kinder wissen beide: Nach Gebrauch müssen sie die Geräte ausschalten. Die Eltern sind allergisch auf den Stand-by-Modus, den sie den «heimlichen Stromfresser» nennen.

Theo Berger kommt bereits um 17 Uhr nach Hause. Er ist für das Abendessen zuständig. Es gibt Ragout mit Gemüserisotto. Das Fleisch hat er schon am Vorabend aus der Tiefkühltruhe in den Kühlschrank gelegt. Das Gefrorene hat einerseits die Kühlfunktion des Kühlschranks unterstützt, andererseits ist das Fleisch nun bereit für die Pfanne. Auftauen im Mikrowellengerät ist nicht nötig. Lisa Berger kommt um 18 Uhr nach Hause. Sie muss kurz einige Mails beantworten. Computer, Drucker, Bildschirm, Modem und Router sind an einer Steckerleiste mit Kippschalter angeschlossen. Nach der Arbeit schaltet die Mutter mit einem Knopfdruck all diese Geräte auf einmal aus. Stand-by-Verbrauch: 0 Watt – statt 30 Watt (200 kWh pro Jahr).

Nach dem Abendessen schaut die ganze Familie die «Tagesschau» und danach einen DVD-Film. Die Bergers hatten bis vor zwei Jahren noch einen alten Röhrenbildschirm mit 81-Zentimeter-Bildschirmdiagonale. Danach haben sie sich einen LCD-Fernseher geleistet. Verbrauch: 1100 statt 1900 kWh. Obwohl die Bildfläche nun anderthalbmal grösser ist, reduziert sich der Stromverbrauch um 40 Prozent.

Auch den DVD-Player und -Recorder nehmen sie nach Gebrauch vom Netz. Diese Geräte benötigen für den Stand-by-Modus ohne weiteres 10 bis 15 Watt, was einen Stromverbrauch von 70 bis 100 kWh pro Jahr ergäbe.

Nun ist Zeit fürs Bett. Die Familie putzt sich mit den elektrischen Zahnbürsten die Zähne. Das fällt nicht gross ins Gewicht – sofern das Aufladegerät nur eingesteckt wird, wenn der Akku der Zahnbürsten leer ist.

Die Familie Berger, die sehr auf den Energieverbrauch achtet, verbraucht pro Jahr rund 3000 kWh und zahlt dafür rund 600 Franken (20 Rappen pro kWh). Das sind 1000 kWh oder 200 Franken weniger als bei einem vergleichbaren typischen Vierpersonenhaushalt, in dem nicht auf den Energieverbrauch geachtet wird.

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