Kassiert die «NZZ am Sonntag» nicht nur für Anzeigen, sondern auch für redaktionelle Empfehlungen, die in der Life-Style-Beilage «Stil» publiziert sind? Diese heikle Unterstellung ist Gegenstand einer heftigen Auseinandersetzung zwischen dem Chefredaktor Felix E. Müller und dem früheren Verleger Christian Müller, Autor eines Artikels auf der Onlineplattform «Infosperber».

Die Zeiten für Print-Medien sind hart, vor allem auch im Anzeigengeschäft. Christian Müller, pensionierter Medienmanager, rechnet auf «Infosperber» vor, dass die neu im Magazin-Format gestaltete Beilage «Stil» der «NZZ am Sonntag» ein Verlustgeschäft sein muss. Er zählte im Monat Juni die Anzeigen aus und stellte die Erträge dem geschätzten Aufwand gegenüber. Das Fazit von Müller, dem ehemaligen CEO von Vogt-Schild und Chefredaktor der «Luzerner Neusten Nachrichten»: «‹Stil› ist ein Fass ohne Boden.» Pro Ausgabe belaufe sich der Verlust auf 13 000 Franken, pro Jahr auf «650 000 Franken (grobe Schätzung)».

Doch es sind nicht nur diese Zahlen, die Felix E. Müller reagieren lassen, sondern eine von «drei Möglichkeiten», die «Infosperber» als Motivation der «NZZ am Sonntag» für die Publikation von «Stil» ins Feld führt. «Man kassiert Geld nicht nur für die Anzeigen, sondern auch für die redaktionellen Empfehlungen mit Verkaufsstellen-Adressen.» Mit einer solchen Unterstellung, für die der Autor jeden Beleg schuldig bleibt, werde er in seiner «persönlichen beruflichen Ehre massiv verletzt», sagt Felix E. Müller.

Der Anwalt der «NZZ am Sonntag» verlangt nicht nur die Entfernung dieser «Behauptung» aus dem Netz, sondern eine schriftliche Unterlassungserklärung, weil sie das Ansehen der Zeitung und der NZZ als Herausgeberin «in schwerer Weise» verletze. Überdies verstosse sie gegen das Gesetz über den unlauteren Wettbewerb. Christian Müller will aber nicht kuschen und eine juristische Auseinandersetzung in Kauf nehmen: «Offensichtlich liegen die Nerven blank. Die Überreaktion zeigt mir, dass ich in ein Wespennest gestochen habe».

Chefredaktor Felix E. Müller sieht sich zum juristischen Vorgehen gezwungen, da die Attacken seines Namensvetters «eine neue Dimension» angenommen hätten. Mittels «erfundener Zahlen» wolle dieser einen «angeblich massiven Verlust» des «Stil»-Magazins beweisen, was «ruf- und kreditschädigend ist». Vor der Publikation «seines Elaborats» habe er überdies nie den Kontakt mit der Zeitung gesucht. Dies stelle eine «schwere Verletzung journalistischer Pflichten» dar. Zur Situation von «Stil» sage er nur, dass in den sog. Rechnungen ein «massiver Denkfehler» stecke, weil auch der frühere «Stil»-Bund im Zeitungsformat «etwas gekostet» habe.

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