Das Bezahl-TV-Unternehmen Cinetrade AG (Teleclub) bekommt ab 2012 für fünf Jahre die TV- und Marketingrechte der Super League und der Challenge League. Für rund 190 Millionen oder über 35 Millionen Franken pro Saison (offiziell bestätigte Zahlen gibt es nicht). In dieser Summe sind auch alle sonstigen Leistungen (wie Produktionskosten) eingerechnet.

Dieser Geldfluss erreicht die Klubs letztlich nur als Bächlein. Bisher flossen pro Saison etwas mehr als eine Million TV-Gelder in die Klubkassen. Nun dürften es zwei Millionen sein. Das ist zwar mehr als bisher. Aber deswegen verändert sich die heimische Fussballwelt nicht.

Viel gravierender ist die politische und wirtschaftliche Langzeitwirkung. Das Schweizer Fernsehen hat erstmals in der Geschichte das Monopol bei einer wichtigen nationalen Sportart verloren. Bisher galt: SF sendet meine Bilder, also bin ich. Und deshalb haben auch die stolzesten Sportmanager vor TV-Sportgeneral Urs Leutert immer den Bückling gemacht und sich vor allem bei den Werbemöglichkeiten knebeln lassen.

Nun sind Monopol und Macht der SRG gebrochen. Wenn in zwei Jahren der Eishockeyvertrag neu ausgehandelt wird, ist damit zu rechnen, dass die Cinetrade die SRG auch dort ausbootet. Und es ist nicht sicher, ob die SRG die ihr noch verbliebenen Rechte an den Länderspielen und am Schweizer Cup behalten kann, wenn auch diese Verträge neu ausgehandelt werden.

Dieser massive Machtverlust des öffentlich-rechtlichen Fernsehens verändert die Sportlandschaft. Die SRG verliert nämlich die Gestaltungskraft im Schweizer Sport: Die SRG war immer sehr restriktiv, wenn es um Werbung im Kamera-Schwenkbereich und auf Spielerleibchen ging. Nun hat die SRG da nichts mehr zu sagen und die Werbemöglichkeiten für die Klubs dürften ausgebaut werden. Die SRG verliert auch ihren Einfluss auf die Spielplangestaltung und die Anspielzeiten, den sie immer wieder geltend gemacht hat. Und sie kann, weil sie die Marketingrechte auch verloren hat, viele Werbedeals nicht mehr machen.

Sollte Cinetrade in zwei Jahren auch die Hockey-Rechte bekommen, zeichnet sich die nächste bittere Niederlage ab: Cinetrade könnte dann die Hockey- und Fussballspiele durch günstigere ausländische Firmen produzieren lassen. Ohne Aufträge aus Fussball- und Hockeymeisterschaften müsste die zur SRG gehörende TV-Produktionsfirma TPC über die Bücher gehen.

Die Frage, ob die Cinetrade den TV-Deal refinanzieren kann, wird sich stellen. Aber noch nicht in den nächsten zehn Jahren. Jetzt geht es erst einmal darum, das Terrain zu besetzen. Mit dem Partner Swisscom im Rücken ist die Kriegskasse randvoll.

Natürlich wird der nationale Fussball nicht von den SF-Bildschirmen verschwinden. Aber die SRG ist nur noch der Juniorpartner, der die Spiele zu senden hat, die man ihm überlässt. Die Liga setzt aber richtigerweise alles daran, dass es trotz allem Spiele auch im frei zugänglichen TV geben wird. Sie strebt deshalb eine friedliche Ko-Existenz von Cinetrade und SRG an.

Die wird unter Urs Leutert nicht einfach zu gestalten sein. Seine heftige interne Reaktion – er hat in Mitarbeiter-Informations-SMS und in Rund-Mails von «groben Fouls» und «skandalösem Verhalten» der Verhandlungspartner gesprochen – lässt darauf schliessen, dass sich seine Bereitschaft in Grenzen hält, TV-Bilder des nationalen Championats zu senden.

Der verlorene Poker um die nationalen Fussball-TV-Rechte könnte der Anfang vom Ende der Ära des 57-jährigen TV- und Radio-Sportchefs sein, der seit 1991 im Amt ist.

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