Ab Juli wird das Musikformat «Cover me» auf SF 1 ausgestrahlt. In der Sendung treffen Rap-Musiker auf Legenden der Schweizer Schlager- und Mundartmusik, um sich gegenseitig zu covern.

Die Staffel mit sieben Sendungen wird in der Schweiz mit Schweizer Protagonisten, aber von einer deutschen Produktionsfirma realisiert – und zwar zu 100 Prozent. Dies bestätigt das Schweizer Fernsehen auf Anfrage. Wie viel Geld das SRF durch den Einsatz von deutschen Kamerateams spart, will der gebührenfinanzierte Sender nicht verraten. SRF-Sprecher Marco Meroni führt Produktionserfahrung, Know-how und Lizenzen als Gründe fürs Fremdgehen auf.

Der Fernsehproduzent und Werber Frank Baumann sieht wirtschaftliche Gründe. «Wir würden so eine Sendung auch gerne produzieren», sagt er. Private Schweizer TV-Unternehmen hätten aber keine Chance, an einen solchen Auftrag zu kommen, da die Deutschen viel günstiger arbeiten würden: «Ich verstehe die TV-Verantwortlichen leider nur zu gut – auch wenn man aus Deutschland ganze Crews einfliegen und im Hotel übernachten lassen muss, kommt es für das SRF immer noch massiv billiger, als wenn die Arbeit durch eine hiesige Firma ausgeführt wird», sagt Fernsehmann Baumann.

Auch im Casting-Format «The Voice of Switzerland» setzt das Schweizer Fernsehen auf deutsches Know-how: Die beauftragte Constantin-Entertainment GmbH aus München hat für die Gesangs-Show extra eine Schweizer Tochtergesellschaft mit Sitz in Pratteln gegründet. Die Sendung, in der die beste Schweizer Stimme gesucht wird, startet Ende Januar 2013 auf SF 1.

Seit Jahren produziert die SRG-Tochtergesellschaft tpc fast ausschliesslich für die eigene Mutter, das Schweizer Fernsehen. Dies führte dazu, dass im Schweizer TV-Produktionsmarkt mehr und mehr Know-how verloren ging. Der frühere Chefredaktor des Schweizer Fernsehens und heutige FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger bezeichnet das Modell tpc deshalb auch als teure Fehlkonstruktion: «Gegründet wurde das tpc, um TV-Leistungen nach Deutschland zu exportieren, jetzt muss man aus Kostengründen aus Deutschland importieren. Auf der Strecke bleiben die Schweizer Produktionsfirmen.»

Schon bei Formaten wie «Die grössten Schweizer Talente», «EURO 2008 – Das grosse Städteduell» oder «Pisa – Kampf der Kantone» arbeiteten die SRF-Redaktionen mit deutschen Kollegen zusammen. Laut einem Insider wären verschiedene solcher Formate ohne die günstigeren Arbeitskräfte aus Deutschland finanziell gar nicht mehr realisierbar.

Die Zürcher SVP-Nationalrätin und SRG-Kritikerin Natalie Rickli fordert deshalb nun Transparenz: «Ich möchte wissen, wie viele Millionen Gebührengelder jedes Jahr ins Ausland fliessen.»

Auch der Schweizer Privatsender 3+ arbeitet bei seinen Eigenproduktionen, wie beispielsweise «Bauer, ledig, sucht» oder «Bumann der Restauranttester», oft mit gemischten, das heisst mit Schweizer und deutschen TV-Crews zusammen. Nur finanziert sich 3+ im Gegensatz zum SRF ganz ohne Gebührengelder. «Das Schweizer Fernsehen scheint keine Sekunde zu überlegen, dass man mit der deutschen Konkurrenz Schweizer Firmen, die hierzulande Jobs anbieten und ihre Steuern bezahlen, schwer schadet», sagt ein betroffener Fernsehproduzent.

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