Matters Antwort auf die eigene Frage: Die über 2000 SRF-Mitarbeiter sollen bis Ende April 2012 «Mittel in der Höhe von 55 Millionen Franken identifizieren». Die «identifizierten Mittel» sollen umgeschichtet und «in strategisch relevante Programmprojekte investiert werden». Bei dieser Übung soll es «keine Tabus» geben. Das heisst, «dass alle Beteiligten auch über die Grenzen ihres Arbeitsbereiches hinaus denken und aus einer andern Perspektive auch einmal unangenehme Fragen in den Raum stellen» sollen.

Das wird von vielen SRF-Mitarbeitern als Aufruf zur Anschwärzung verstanden. Um das Budget der eigenen Abteilung zu retten, werde wohl der eine oder andere auf vermutete Verschwendungsquellen in der Nachbarabteilung hinweisen. Viele verärgerte SRF-Angestellte tragen sich mit dem Gedanken, den Aufruf schlicht zu ignorieren. Ob es gar zu einem eigentlichen Boykottaufruf kommt, steht noch nicht fest.

Gegenüber dem «Sonntag» unterstreicht SRF-Sprecherin Andrea Hemmi, dass das «Projekt 55» keine Spar-, sondern eine Umlagerungsübung sei. Bis jetzt seien via Intranet über 30 Vorschläge von Mitarbeitenden eingegangen. «In der Regel unter Angabe des Namens. Von ‹Anschwärzen› kann keine Rede sein.»

Es sei den Verantwortlichen bewusst, dass das Projekt «einen hohen Kommunikationsbedarf» bedinge. Andrea Hemmi: «Unmutsäusserungen oder gar ein Boykott-Aufruf sind bis heute nicht bis zu Rudolf Matter gedrungen, obwohl er laufend Gespräche mit Mitarbeitenden aller Stufen und Standorte führt und es diverse Möglichkeiten für Feedback gibt.»

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