Martin Bäumle, der Präsident der Grünliberalen, redet sich in Rage. Als er in der «Arena» zum Atomausstieg das Wort ergreift, geht er mit stechendem Blick auf BDP-Nationalrat Hans Grunder los. «Energiepolitisch kann man Mühleberg morgen abstellen, lieber Hans Grunder», poltert er. «Aber finanzpolitisch seid ihr dankbar um jeden Tag, an dem ihr mehr Geld scheffeln könnt.»

Das sass – und Bäumle dürfte sich über diese Sendung vom 9. März besonders gefreut haben, denn die «Arena» ist für die GLP ansonsten kein gutes Pflaster. Zwar wird der Parteipräsident regelmässig eingeladen, aber nie war er oder ein anderer Grünliberaler einer der Hauptgäste vorn am Tisch. Bäumle muss in der hinteren Reihe ausharren und warten, bis man ihm ein Mikrofon hinhält.

Eine Auswertung des «Sonntags» zeigt, wie oft die Parteien in der Hauptrunde der «Arena» vertreten sind. Spitzenreiter seit Jahresbeginn ist die SP mit 17 Auftritten, dicht gefolgt von der SVP (16). Danach kommen CVP (11), FDP (9), Grüne (8) und die BDP (4). Die GLP ist nicht dabei. «Wir müssen uns unsere Präsenz an der Front offenbar noch abverdienen», sagt Bäumle. «Wir haben aber klare Zusagen des Fernsehens, dass sich das Verhältnis ändern werde.»

Das SF bestätigt den Kontakt. «Wir haben schon versucht, Martin Bäumle an den Hauptring einzuladen», sagt «Arena»-Redaktionsleiterin Marianne Gilgen. Aus verschiedenen Gründen habe es allerdings noch nicht geklappt.

Dabei seien Auftritte in der «Arena» für die Parteien sehr wichtig, sagt Thomas Widmer, Politologe an der Universität Zürich. Die Sendung biete eine der attraktivsten Plattformen für die Politiker. Deshalb würden die Parteien ihre Mitglieder regelrecht auf ihre «Arena»-Tauglichkeit durchleuchten. Dass die BDP stärker vertreten ist als die GLP, könne auch daran liegen, dass sie eine Regierungspartei sei.

Die Auswertung des «Sonntags» zeigt, dass sich das SF eng an den Wähleranteilen der Parteien orientiert (siehe Grafik). Das spiele jedoch nur eine untergeordnete Rolle, sagt Gilgen. Wichtiger sei es, alle Positionen abzudecken. «Wir laden Personen ein, die sich im Thema profiliert haben und zu den Meinungsmachern gehören.» Das sorgt allerdings auch dafür, dass einzelne Parteien übervertreten sind. Besonders die SP, die CVP und die Grünen, was dem alten Vorwurf, die Medien seien links-grün, nicht gerade entgegenwirkt.

«Ich erwarte von den ‹Arena›-Verantwortlichen mehr Ausgewogenheit», sagt SVP-Nationalrätin Natalie Rickli (ZH). «Die Parteien sollten ihrem Wähleranteil entsprechend vertreten sein.» Rickli weist darauf hin, dass heute den Teilnehmern der zweiten Reihe viel Redezeit eingeräumt werde. Das habe aber Nachteile: Weil sich das SF bemühe, alle politischen Parteien einzubinden, fehlten manchmal Politiker aus den grössten Parteien.

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