VON FELIX STRAUMANN

Ist er ein genialer Wissenschafter, der mit viel Ausdauer einer revolutionären Idee zum Erfolg verhilft? Oder eher ein überschätzter Tüftler, der vor allem sich selbst gut verkaufen kann? Bei Michael Grätzel scheiden sich seit bald zwanzig Jahren die Geister.

Damals präsentierte der heute 65-jährige Deutsche, der seit 1977 an der ETH Lausanne forscht, eine neue Art von Solarzelle, die sich komplett von den gängigen Silizium-Solarzellen unterscheidet. Das Kernstück ist ein Farbstoff, der ähnlich wie bei der Photosynthese in Pflanzen die Lichtstrahlen aufnimmt und in Elektrizität umwandelt.

Als Grätzel seine Farbstoffzellen 1991 im Fachblatt «Nature» vorstellte, waren viele begeistert. Die Presse titelte mit «Solar-Sensation» und «Die Superzellen kommen», erwartet wurde nichts weniger als eine Solar-Revolution. Doch als diese ausblieb, wurden skeptische Stimmen laut.

«Die Farbstoffzellen sind sicher eine umstrittene Technologie, bei der die Meinungen auseinandergehen», sagt Stefan Nowak, Programmleiter Photovoltaik beim Bundesamt für Energie und Inhaber der Beratungsfirma NET. «Man habe anfangs den Zeitaufwand für eine Kommerzialisierung unterschätzt.» Was nicht heisse, dass nichts aus dieser Technologie werde.

Doch nun erhält der Solar-Pionier einen Ritterschlag von höchster Stelle: Er wurde vergangene Woche mit dem renommierten Balzan-Preis ausgezeichnet. Diese von einer Stiftung mit Sitz in Zürich und Mailand verliehene Auszeichnung gilt nicht zuletzt wegen der hohen Preissumme von einer Million Franken als eine der bedeutendsten in der Wissenschaft weltweit.

Für Grätzel eine grosse Ehre: «Es ist nicht meine erste Auszeichnung, doch der Balzan-Preis sticht klar hervor», sagt er im Gespräch mit dem «Sonntag».

Doch was ist das Geniale an der Grätzelzelle? Das Prinzip ist bestechend einfach: Die Zelle enthält eine Schicht aus kleinsten Titanoxid-Partikeln, die mit einem Farbstoff bedeckt ist.

Wenn Licht auf den Farbstoff fällt, werden Elektronen frei, die das Titanoxid durchqueren, sich im äusseren Bereich der Zelle sammeln und schliesslich in einen externen Stromkreislauf gelangen.

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