Leute werden in Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan, aus ihren Quartieren vertrieben, Wohnblocks werden niedergerissen. Der Grund: Das autoritäre Regime will Platz schaffen für den Eurovision Song Contest (ESC). Dagegen – und vor allem gegen die Tatsache, dass der Staat am Kaspischen Meer in Sachen Menschenrechte und Pressefreiheit weltweit zu den Schlusslichtern gehört – nimmt der Protest zu. Reporter ohne Grenzen und Amnesty International sind daran, ESC-Teilnehmer und Zuschauer für die politische Lage in Aserbaidschan zu sensibilisieren.

Beim Schweizer Fernsehen ist man sich der zunehmenden Brisanz bewusst. Der Sender hat nach Aussage des ESC-Delegationsleiters Sven Sarbach nie an einen Boykott gedacht. Der Contest sei ein musikalisch-gesellschaftlicher Anlass, «der die Völkerverständigung nicht durch politische Aktionen erreichen will, sondern durch einen friedlichen musikalischen Wettbewerb». Wenn Missstände in einem Land durch die Ausrichtung des ESC eine grössere öffentliche Beachtung erhielten, könne dies auch eine Chance sein, dass ein Umdenken stattfinde.

SF ist offenbar bestrebt, die von der aserbaidschanischen Regierung für die Zeit des Contests zugesicherte Pressefreiheit in Anspruch zu nehmen. SF-Chefredaktor Diego Yanez: «Sowohl ‹10 vor 10› als auch die ‹Tagesschau› werden im Vor- und Umfeld des Eurovision Song Contest Berichte zu politischen und wirtschaftlichen Themen realisieren. Dazu gehört auch die Menschenrechtsfrage.» Reporter werde Christoph Franzen sein, der SF-Mann, der in Moskau stationiert ist.

Sinplus vertreten Ende Mai die Schweiz in Baku. Hinter dem Namen verbergen sich die Brüder Ivan und Gabriel Broggini. Die Rockmusiker sagen, dass ihrer Meinung nach ein Boykott nicht die richtige Lösung wäre. «Wir werden nach Aserbaidschan fliegen und dort schauen, wie die Situation ist.»

Die beiden Tessiner betonen, dass sie «ganz klar für den Respekt zwischen den Menschen einstehen». Es sei ein Skandal, dass es im Jahre 2012 noch immer Menschenrechtsverletzungen gebe. «Zum Glück gibt es Organisationen wie Amnesty International, die für die Freiheit der Menschen kämpfen.» Es sei wichtig, die Menschenrechtssituation in Aserbaidschan bekannt zu machen.

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