Ein erstes Indiz für Niethammers bevorstehenden Rauswurf war die Einladung zum 100-Jahr-Jubiläum des People-Magazins in Luzern – seine Unterschrift fehlte darin. Nachfragen aus dem Team verwedelte Heller mit der Begründung, jene von ihm und Marc Walder, CEO Ringier Schweiz und Deutschland, reichten doch aus.

Heller war es auch, der Niethammer am vergangenen Dienstag um 14.30 Uhr eröffnete, dass ihm gekündigt werde. Da war dieser Schritt längst besiegelt, wie Recherchen zeigen. Die Ringier-Oberen warteten jedoch ab, bis Niethammer zum zweiten Mal Vater wurde.

Weder Ringiers Leiter Kommunikation, Edi Estermann, noch Niethammer wollen sich dazu äussern. «Wir waren mit der publizistischen Entwicklung der SI unter Nik Niethammer nicht mehr zufrieden», sagt Estermann. Das erstaunt, hat der erfahre Print- und TV-Mann (TeleZüri, Sat.1, «Blick») die SI doch entstaubt: Statt Monika Kälin oder Hausi Leutenegger gab es Bligg und Nils Althaus.

Mit dem moderneren SI-Auftritt hatte Heller als Verfechter einer konservativeren SI seine liebe Mühe. Zu Konflikten kam es auch, als Heller versuchte, der Redaktion an Niethammer vorbei PR-Storys aufs Auge zu drücken.

Wenig schlüssig erscheint die von Walder via Heller vorgebrachte Argumentation, es liege an den sinkenden Verkaufs- und Abozahlen. Gerade in den vergangenen zwölf Wochen hat das Ringier-Flaggschiff wieder die 30 000 Exemplare pro Ausgabe im Einzelverkauf erreicht. Die Leserzahlen der WEMF, die am Dienstag publiziert werden, sehen bei der SI zudem stabile Werte vor – zuletzt waren es 940 000 Leser.

Intern begründet Walder die Trennung von Niethammer diffus mit einer «fehlenden Vision». Von Niethammer war die Quadratur des Kreises erwartet worden: Auf dem Titel eher Promis, aber dann auch wieder Grossereignisse wie Fukushima – doch diese haben sich am Kiosk schlecht verkauft. Für die Nachfolge auf den heissen Stuhl an der Dufourstrasse werden genannt:

Peter Röthlisberger («Blick am Abend»), Daniel Steil («Focus online», ex «Blick») und Marco Boselli («20 Minuten»). Mit Steil wäre nach Ralph Grosse-Bley («Blick») und Karsten Witzmann («SonntagsBlick») der dritte Deutsche an entscheidender Position bei Ringier. «Wir schliessen keine Nationalität aus», sagt Sprecher Estermann.

Nächste Woche soll es zu einem Gespräch zwischen Walder und Niethammer über eine mögliche andere Aufgabe im Konzern kommen. Ob der unter diesen Umständen geschasste SI-Chef Lust verspürt, weiter für das Verlagshaus zu arbeiten, ist fraglich.